9. Kapitel: Ist die Tatbeteiligung von US-Beamten die beste Erklärung?
Das neue Pearl Harbor - Band 1
Beunruhigende Fragen zur Bush-Regierung und zum 11. September
Teil 3: Schlussfolgerungen
9. Kapitel
Ist die Tatbeteiligung von US-Beamten die beste Erklärung?
Kritiker der offiziellen Version des 11. September sind der Meinung, dass diese Version, gemäß dem englischen Titel von Meyssans erstem Buch, »eine große Lüge« ist. Zumindest die meisten der Kritiker sind auch Revisionisten bezüglich der Geschehnisse des 11. September, weil sie - in Ahmeds Worten - glauben, dass »die beste Erklärung für die aktenkundigen Beweise direkt auf eine amerikanische Verantwortung für die Ereignisse des 11. September 2001 hindeutet.«1 Nun ist die wichtigste Frage für das amerikanischen Volk, ob wir die Gründe für das Überdenken für überzeugend oder zumindest beunruhigend genug halten, um die verschiedenen Überlegungen, die dazu beitragen, umfassend zu untersuchen.
Wer profitiert?
Im Zentrum dieser Überlegungen steht die Tatsache, dass sich aus den Anschlägen des 11. September enorme Vorteile für Institutionen ergeben, die von Kritikern der offiziellen Version verdächtigt werden, Mitschuld an den Anschlägen zu tragen. Ahmed beginnt die Erörterung dieser Frage mit einem Zitat des Investigativjournalisten Patrick Martin:
Bei der Untersuchung jedes Verbrechens muss eine zentrale Frage lauten: "Wer profitiert?" Die Hauptnutznießer der Zerstörung des World Trade Center sitzen in den Vereinigten Staaten: die Bush-Regierung, das Pentagon, CIA und FBI, die Waffenindustrie und die Ölindustrie. Es ist daher vernünftig zu fragen, ob diejenigen, die in einem solchen Ausmaß profitiert haben, nicht zu dieser Tragödie beigetragen haben.2
Um ein Beispiel zu konkretisieren: der CIA-Direktor George Tenet wollte die Genehmigung und Finanzierung für einen Plan, um verdeckte Operationen auf der ganzen Welt auszuweiten. Tenets Plan mit dem Namen »Worldwide Attack Matrix«, so berichtet Bob Woodward, »beschrieb verdeckte Operationen in 80 Ländern, die schon im Gange waren oder die er jetzt empfahl.« Vier Tage nach dem 11. September erhielt Tenet die Genehmigung bei einem Treffen in Camp David.3 Kurz danach seien »die Mittel der Behörde um 42 Prozent erhöht worden, um den Plan der 'Worldwide Attack Matrix' erfolgreich durchzuführen.«4
Nun zum Pentagon und der Rüstungsindustrie: nachdem der Präsident beteuert hatte, dass die Leistungsfähigkeit des US-Militärs ausreichend erhöht würde, um diesen neuen Krieg zu gewinnen, »egal was er kostet«, war er in der Lage, den stärksten Zuwachs der Militärausgaben seit dem Ende des Kalten Krieges durchzusetzen. Ohne den 11. September wäre eine derartige Erhöhung höchst unwahrscheinlich gewesen. Wie Phyllis Bennis aufzeigt: »Alleine die zusätzlichen 48 Milliarden Dollar für den Pentagon-Haushalt, die von der Bush-Regierung im Januar 2002 beantragt wurden, sind mehr Geld als jedes andere Land für sein Militär ausgibt.«5 In einer ruhigeren Stimmung hätte der Kongress anders gesagt vielleicht beschlossen, dass wir bereits mehr als genug ausgeben.
Die Anschläge des 11. September ermöglichten insbesondere wesentlich höhere Ausgaben für die Space Force mit Donald Rumsfeld und den Generälen Eberhart und Myers als Fürsprechern. Für sie mag die neue Unterstützung für das »Raketenabwehrsystem« der wichtigste Nutzen des 11. September gewesen sein. Während eine Gallup-Umfrage im Juli 2001 zeigte, dass nur 53 Prozent der Bevölkerung dieses Systems unterstützten, zeigt eine am 21. Oktober veröffentlichte Umfrage, dass die Unterstützung auf 70 Prozent gestiegen war.6
Im Bezug auf Vorteile für die Bush-Regierung an sich erinnert uns Ahmed daran, dass sie vor dem 11. September weithin in einer Krise gesehen wurde. Viele Amerikaner glaubten, Bush habe die Präsidentschaft auf betrügerische Weise gewonnen; es gab eine wachsende Wirtschaftskrise, sowohl national als auch weltweit; »die Bush-Regierung war wegen ihrer Außenpolitik zunehmend isoliert … und war folglich nicht in der Lage, Beschlüsse im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen und anderen internationalen Gremien durchzusetzen«, es gab massive „Anti-Globalisierungs“-Demonstrationen; »Bushs Zustimmungswerte – sowohl persönlich als auch politisch – sanken rapide.« Es wäre wahrscheinlich »extrem schwierig für die Regierung Bush geworden, ihre bereits unangenehm knappe Mehrheit im Kongress bei den Wahlen im Jahr 2002 beizubehalten und es wäre unmöglich gewesen, »die strategische und militärische Planung, die Brzezinskis Buch [The Great Chessboard (Die einzige Weltmacht)] skizzierte, umzusetzen.«7 Allerdings konnte »die Bush-Regierung, als sich ihr die öffentliche Stimmung aus Schock und Entsetzen über die schockierende Tragödie des 11. September bot, diese Gefühle nutzen, um lange bestehende, globale wirtschaftliche und strategische Ziele voranzutreiben« und »um die vorherige Legitimitätskrise abzuwenden.«8
Im Hinblick auf die Umsetzung ihrer strategischen und militärischen Pläne schienen die Bush-Regierung und ihre Berater gut vorbereitet zu sein, um diesen Angriff von nicht-staatlichen Terroristen als Grundlage für einen Krieg gegen Staaten zu nutzen, die auf ihrer Angriffsliste standen. In seiner Rede an die Nation am Abend des 11. September sagte Präsident Bush: »Wir werden keinen Unterschied zwischen den Terroristen machen, die diese Taten begangen haben, und denjenigen, die ihnen Zuflucht gewähren.« Sobald der Präsident seine Rede beendet hatte, konnte Henry Kissinger, wie in der Einleitung erwähnt, einen Kommentar parat, den er im Internet veröffentlichte. Darin unterstützte er Bushs Haltung, »keine Unterscheidung zu machen«:
Die Regierung wird mit einer systematischen Reaktion antworten müssen, von der man hofft, dass sie in der Art des Angriffs auf Pearl Harbor enden wird – mit der Zerstörung des Systems, das dafür verantwortlich ist. Dieses System ist ein Netzwerk terroristischer Organisationen, das Unterschlupf in einigen Hauptstädten hat. … Jede Regierung, die Gruppen Unterschlupf gewährt, die in der Lage sind, einen solchen Angriff durchzuführen, müssen, egal ob man nachweisen kann, dass sie an diesem Anschlag beteiligt waren, einen exorbitanten Preis zahlen.9
Eine Woche später argumentierte Richard Perle gleichermaßen in einem Leitartikel mit dem Titel »State Sponsors of Terrorism Should Be Wiped Out Too« (Staatliche Unterstützer des Terrorismus sollten ebenso ausgelöscht werden):
Diejenigen Länder, die Terroristen beherbergen – die Möglichkeiten bieten, unschuldige Zivilisten zu zerstören – müssen selbst zerstört werden. Der Krieg gegen den Terrorismus ist der Krieg gegen diese Regime.10
Die Regierung und ihre Berater schienen vorbereitet, sofort mit dieser Botschaft loszulegen.
Und es funktionierte. Nachdem der Präsident seine Absicht ankündigte, zur Unterstützung von Amerikas weltweiten Krieg gegen den Terrorismus »die Welt um sich zu scharen«, schrieb Phyllis Bennis:
Die Führer und Regierungen der Welt erhoben keinen Widerspruch. Im Gegenteil. Vor dem 11. September kam Empörung unter französischen Intellektuellen auf, ob sich die US-Supermacht wie der Herrscher eines Imperiums verhält. Vor dem 11. September erhob Russland hörbar Einspruch gegen die Drohungen der USA, den ABM-Vertrag aufzuheben. Vor dem 11. September hatten Europäer und andere Länder mit vorsichtigen Bemühungen begonnen, Washingtons Verantwortungsmangel gegenüber der internationalen Gemeinschaft zu bestrafen. … Aber um 10 Uhr an jenem Dienstag im September kamen all diese bereits zögerlichen Schritte zu einem abrupten Halt. Stattdessen jubelten Regierungen und viele weltweit unterstützten die USA, als sie die Rechte eines Imperiums geltend machten.11
Im Hinblick auf die geplante Operation in Afghanistan im Besonderen beobachtet Meyssan: »Die Anschläge des 11. September erlaubten etwas, das nichts anderes war als eine klassische Expedition im Kolonialstil, getarnt als legitime Operation.«12
Dass diese Tragödie für das Land eine enorme Chance für die Regierung bot, ist allgemein bekannt. Zum Beispiel schreibt John Pilger, dass die Anschläge des 11. September 2001 das ‚neue Pearl Harbor‘ brachten, und fügt hinzu, dass diese Angriffe »als 'die Chance des Jahrhunderts' beschrieben wurden.«13 Die Bush-Regierung benutzte diese Worte selbst. In der Sitzung des Nationalen Sicherheitsrats in der Nacht des 11. September soll Präsident Bush gesagt haben, die Anschläge böten »eine große Chance«.14 Einen Monat später sagte Donald Rumsfeld der New York Times, dass der 11. September »die Art von Chance« schuf, »die der Zweite Weltkrieg bot, um die Welt umzugestalten.«15 Condoleezza Rice befahl hochrangigen Mitgliedern des Nationalen Sicherheitsrats »darüber nachzudenken, 'wie man diese Chance ausnutzen könne'.«16 Dieser Punkt wurde auch in die Nationale Sicherheitsstrategie der Vereinigten Staaten von Amerika hineingenommen, die die Bush-Regierung im September 2002 veröffentlichte. Sie erklärt freimütig: »Die Ereignisse des 11. September 2001 eröffnen große, neue Chancen.«17
»Immer wieder«, stellt Pilger fest, »wird der 11. September als 'Chance' beschrieben.« Die durch die Anschläge entstandene Chance wurde auch von vielen anderen kommentiert. Ein Bericht im US News and World Report schreibt:
Dann kam der 11. September. Weltweite Abscheu und das gemeinsame Gefühl der Bedrohung lieferten Washington eine Chance, die so nur einmal in einer Generation vorkommt, nämlich die internationale Politik neu zu strukturieren. Zehn Tage nach den Anschlägen katalogisierten Experten des Außenministeriums für [Colin] Powell ein Dutzend ‚Lichtblicke‘.18
Walden Bello, einer der wichtigsten Dritte-Welt-Kritiker der US-geführten Weltwirtschaft schrieb ebenso:
Die al-Qaida-Mission in New York war das größtmögliche Geschenk an die USA und das globale Establishment. … Wenn es um die Krise der politischen Führung in den USA geht, hat der 11. September George W. Bush von einem Minderheitspräsidenten, dessen Partei die Kontrolle über den Senat verlor, zu dem wohl mächtigsten US-Präsidenten der letzten Jahrzehnte verwandelt.19
Eine Aussage von Karen Talbot, Direktorin des 'International Center for Peace and Justice' lässt vermuten, dass sie Brzezinskis Buch gelesen hat:
Die Terroranschläge am 11. September haben den USA eine qualitativ neue Chance geliefert, insbesondere auf Seiten der riesigen Öl-Firmen, um ihr Militär in den ehemaligen Sowjetrepubliken Zentralasiens, sowie im Kaukasus dauerhaft zu verankern, wo es große Ölvorkommen gibt – die zweitgrößten der Welt. Der Weg ist nun offen, Öl- und Gaspipeline-Projekte durch Afghanistan und Pakistan zu starten. … Der wesentliche Lohn für die USA ist die goldene Gelegenheit, eine ständige militärische Präsenz im ölreichen Zentralasien zu etablieren.20
Der bekannte politische Kommentator William Pfaff schrieb:
Viele Amerikaner, aber auch andere glauben, dass die Vereinigten Staaten unter Umständen bereits ein modernes Weltimperium anführen. … Die grundlegende Frage der nächsten zwei bis drei Jahrzehnte wird unweigerlich sein, wie die Vereinigten Staaten ihre erstaunliche Machtfülle anwenden. Vor dem 11. September fehlte dem Land … der politische Wille, sich durchzusetzen. Der 11. September lieferte diesen Willen.21
Nafeez Ahmed zitiert eine Aussage von Sozialphilosoph John McMurtry, der diese Argumentation zusammenfasst:
Das forensische Prinzip "Wer profitiert am meisten vom Verbrechen?" weist eindeutig in Richtung der Bush-Regierung. Man wäre naiv zu glauben, dass die Bush Jr.-Clique und ihre Hintermänner in der Öl- und Militärindustrie, sowie an der Wall Street … nicht astronomisch von dieser Massenmord-Explosion profitierten. Wenn es eine Wunschliste gab, so wurde sie komplett von diesem betäubenden Geschehen erfüllt. Die Amerikaner werden von einer frei fallenden Wirtschaft abgelenkt, indem ein weiterer ausländischer Satan angegriffen wird, während die Popularität des Bush-Regimes steigt. Das Militär, die CIA und jeder satellitenbewaffnete Sicherheitsapparat haben mehr Geld und Macht als je zuvor und sie werden gegenüber Zivilisten so mächtig, wie sie nur können, in dieser "völlig neuen Ära", die vom Weißen Haus ausgerufen wurde.22
Dementsprechend gibt es gemäß dem Grundsatz, dass im Allgemeinen bei Verbrechen diejenigen die Hauptverdächtigen sind, die den größten Nutzen aus ihnen ziehen, einen starken Verdachtsfall, dass die Bush-Regierung an diesem Verbrechen beteiligt war. Oder, um Patrick Martins vorsichtige Formulierung zu wiederholen: »Es ist vernünftig zu fragen, ob diejenigen, die in einem solchen Ausmaß von dieser Tragödie profitiert haben, nicht zu ihr beigetragen haben.«
Nachdem Ahmed sich wie andere dafür aussprach, dass der Grundsatz »Wer profitiert am meisten?« eine Komplizenschaft der Bush-Regierung vermuten lässt, fasst er abschließend die Beweise für diesen Verdacht zusammen.
Zusammenfassung der Beweise für eine amtliche Mittäterschaft
Nafeez Ahmeds Zusammenfassung der von ihm gesammelten Beweise,23 ergänzt um Beiträge von Chossudovsky, Thompson, Meyssan und anderen Forscher umfasst die folgenden Elemente:
1. Beweise, dass die Kriege in Afghanistan und im Irak aus geopolitischen Gründen bereits geplant waren, so dass der 11. September nicht der Grund für die Kriege war, sondern lediglich der Vorwand.
2. Beweise, dass Männern mit Verbindungen zu al-Qaida die Einreise in den Vereinigten Staaten gestattet wurde, trotz Vorschriften, die das verhindern sollten.
3. Beweise, dass Männer mit Verbindungen zu al-Qaida in US-Flugschulen trainieren durften.
4. Beweise, dass die Anschläge des 11. September nicht gelingen konnten, ohne dass es einen Befehl von höchster Regierungsebene gab, die normalen Handlungsprozeduren bei Entführungen außer Kraft zu setzen.
5. Beweise, dass politische und militärische Führer der USA irreführende und sogar falsche Angaben über ihre Reaktion auf die Entführungen gemacht haben.
6. Beweise, dass insbesondere die derzeit akzeptierte offizielle Darstellung, laut der Kampfflugzeuge zwar losgeschickt wurden, aber zu spät kamen, erst einige Tage nach dem 11. September erfunden wurde.
7. Beweise, dass die WTC-Gebäude mit Hilfe von Sprengstoff zum Einsturz gebracht wurden, so dass die Beteiligung der US-Regierung an der Verhinderung einer angemessenen Untersuchung der Trümmer, vor allem des Stahls, einen Beweis für die Mitwirkung an einer Vertuschung darstellt.
8. Beweise, dass jemand mit Befehlsgewalt sicherstellen wollte, dass es Todesfälle bei den Angriffen auf den zweiten WTC-Turm und das Pentagon geben würde, indem diese Gebäude nicht evakuiert wurden.
9. Beweise, dass das, was das Pentagon getroffen hat, keine Boeing 757 war, sondern ein viel kleineres Fluggerät war, im Speziellen ein militärisches Fluggerät.
10. Beweise, dass Flug 93 abgeschossen wurde, nachdem die Behörden erfuhren, dass die Passagiere die Kontrolle übernehmen würden.
11. Beweise, dass Verteidigungsminister Rumsfeld Vorwissen über beide Angriffe preisgab.
12. Beweise, dass Präsident Bush am 11. September seine Unwissenheit über das Auftreten und die Schwere der Angriffe vorspielte.
13. Beweise, dass Präsident Bush und sein Secret Service am 11. September wussten, dass er nicht das Ziel von Angriffen sein würde.
14. Beweise, dass das FBI mindestens einen Monat im Voraus spezifisches Wissen über den Zeitpunkt und die Ziele der Anschläge hatte.
15. Beweise, dass die CIA und andere Geheimdienste aufgrund der kurz vor dem 11. September gekauften Put-Optionen sehr spezifisches Vorwissen der Anschläge hatten.
16. Beweise, dass die Bush-Regierung log, als sie behauptete, sie hätte über keine spezifischen Warnungen vor den Anschlägen verfügt.
17. Beweise, dass das FBI und andere Bundesbehörden vor dem 11. September Ermittlungen verhinderten, die den Plan hätten aufdecken können.
18. Beweise, dass US-Beamte sich darum bemühten, Beweise für die Beteiligung des pakistanischen ISI bei der Planung des 11. September geheim zu halten.
19. Beweise, dass US-Beamte sich darum bemühten, die Anwesenheit des ISI-Chefs in Washington in der Woche des 11. September geheim zu halten.
20. Beweise, dass das FBI und anderen Bundesbehörden nach den Anschlägen Ermittlungen blockierten, die die wahren Täter hätten enthüllen können.
21. Beweise, dass die Vereinigten Staaten nicht wirklich versuchten, Osama bin Laden zu töten oder gefangen zu nehmen – weder vor noch nach den Anschlägen.
22. Beweise, dass sich zentrale Figuren der Bush-Regierung ein »neues Pearl Harbor« gewünscht hatten, weil es zahlreiche Vorteile bringen würde.
23. Beweise für ein Motiv, aufgrund der vorhersehbaren Vorteile, die die Bush-Regierung durch dieses Ereignis erlangte, das von Bush selbst als »Pearl Harbor des 21. Jahrhunderts« bezeichnet wurde.
24. Beweise gegen die alternative Erklärung – die Inkompetenztheorie – aufgrund der Tatsache, dass diejenigen, die sich angeblich der Inkompetenz schuldig gemacht hatten, nicht gefeuert, sondern in einigen Fällen sogar befördert wurden.
Nachdem Ahmed seine Argumente für eine Komplizenschaft zusammenfasst (die viele, aber nicht alle dieser 24 Punkte enthält), fügt er hinzu, dass er nicht vorgibt, einen kompletten schlüssigen Fall vorzulegen. Vielmehr hält er seine Schlussfolgerungen »lediglich für die besten verfügbaren Schlüsse aufgrund der verfügbaren Fakten, die bisher ausgegraben worden sind.«24
Mögliche Probleme für eine Theorie der Komplizenschaft
Ahmeds Formulierung ist richtig, denn es könnte ja weitere Tatsachen geben, die die von Kritikern diskutierten Fakten in einem anderen Licht erscheinen lassen. Ebenso könnten auch einige dieser Punkte eventuell doch keine Fakten sein – dies können nur weitere Untersuchungen entscheiden. Darüberhinaus ist das Urteil, ob ein Fall aufgrund einiger Thesen ‚schlüssig‘ ist, immer zum Teil eine subjektive Beurteilung, die von persönlichen Vorlieben abhängt. Die Frage ist dementsprechend nicht, ob die Argumente für die amtliche Tatbeteiligung – die beste Schlussfolgerung, die sich aus den Werken von Ahmed, Chossudovsky, Meyssan, Thompson und anderen Forscher konstruieren lässt – schlüssig sind. Die Frage ist, ob es wahrscheinlich ist, ob sie weithin als schlüssig wahrgenommen werden. Und damit dies passiert, könnten Kritiker dieser revisionistischen Theorie durchaus behaupten, dass die Revisionisten mehr zeigen müssen, als dass die offizielle Darstellung unglaubwürdig ist. Sie müssen auch eine alternative Darstellung des Geschehens vorlegen, die auf plausible Weise alle relevanten Fakten umfasst. Darüber hinaus könnten diese Gegen-Kritiker eine alternative Darstellung, soweit sie schon – zumindest implizit – in den Texten der Revisionisten enthalten ist, einer großen Anzahl an rhetorischen Fragen aussetzen, für die keine einfachen Antworten auf der Hand zu liegen scheinen.
Eine solche Frage könnte zum Beispiel sein: Wenn Beamte der Bush-Regierung ein neues Pearl Harbor wollten, warum entschieden sie sich genau für diese Reihe von Ereignissen? Diese Ereignisse am 11. September benötigen ja eine massive Verschwörung, die zumindest Mitglieder des Weißen Hauses, des Justizministeriums, von FBI, CIA und Pentagon umfasst. (»Entscheiden« muss hier nicht eine Teilnahme an der Planung der Anschläge implizieren, sondern kann einfach bedeuten, »zu entscheiden, sie zu ermöglichen.«) Angesichts der Standardverfahren für den Umgang mit entführten Flugzeugen wären außerdem offensichtliche Verletzungen der Standardverfahren erforderlich gewesen, damit die Flugzeuge in das WTC und das Pentagon einschlagen konnten, sodass die Verschwörer kaum erwarten konnten, nicht entdeckt zu werden. Sie konnten sicherlich davon ausgehen, dass sie durch den Schock der Anschläge und den Ausbruch an unkritischem Patriotismus, der danach folgen sollte, eine Weile mit diesem Plan davonkommen konnten. Aber wie konnten sie glauben, dass die Absurditäten ihrer Geschichte nicht letztlich doch zu ihrer Entlarvung führen würden? Warum sollten sie sich ein solch komplexes System ausdenken, das solcher Absurditäten bedarf, wenn sie nahezu den gleichen Effekt mit einem einfacherem Trick erreichen konnten, wie z.B. durch einen Anschlag mit chemischen oder biologischen Waffen, der von einer geringen Anzahl von Tätern hätte durchgeführt werden können? Vor allem brauchte das neue Pearl Harbor ja nicht das Original mit einem Angriff durch Flugzeuge nachzuahmen.
Selbst wenn es eine rationale Begründung für die Regierung gab, die Art der Angriffe so auszuwählen, wie sie am 11. September stattfanden, warum sollten sie die Entlarvung riskieren, dass der Anschlag auf das WTC ein »inside job« war, indem man die Gebäude mit Hilfe von Sprengstoff zusammenbrechen ließ? War das Sicherstellen des Auftretens von mehreren tausend Toten es wert, dieses zusätzliche Risiko der Entlarvung einzugehen? Und warum sollten sie auch noch Gebäude 7 des WTC sprengen, was zwangsläufig die Behauptung unterminierte, dass die Zwillingstürme aufgrund der kombinierten Auswirkungen der Flugzeuge und der Hitze der Treibstoffbrände zusammengebrochen sind?
Selbst wenn man annimmt, dass die Argumentation der Verschwörungstheorie der Revisionisten stimmt, zeigt das nachfolgende Verhalten der angeblichen Verschwörer viele Merkmale, die für eine Inkompetenz unglaublichen Ausmaßes sprechen. Ein Beispiel: wenn bis kurz nach dem Einschlag ins Pentagon keine Flugzeuge losgeschickt wurden, erforderte das offensichtlich den Befehl, das Standardverfahren außer Kraft zu setzen – warum sollten die Verschwörer dann zuerst diese Geschichte erzählen? Und dann, als sie erkannten, dass diese Geschichte sie wahrscheinlich mit hineinziehen würde, warum sollten sie eine zweite, fast genauso absurde Version fabrizieren – mit Flugzeugen aus weit entfernten Luftstützpunkte und Flugzeiten, die implizieren, dass sie nur ein paar hundert Kilometer pro Stunde flogen? Warum gab es angesichts der massiven Planung, die die ganze Operation benötigt haben muss, keine sorgfältig formulierte, plausible Vertuschungsgeschichte, die von Anfang an jeder erzählen konnte?
Darüber hinaus können Kritiker fragen: warum sollten die Verschwörer dann unnötigerweise weitere Zweifel durch Lügen und dümmliche Aussagen hervorrufen? Warum, zum Beispiel, würden sie suggerieren, es sei eine Anordnung des Präsidenten notwendig, um entführte Flugzeuge abgefangen, wenn selbst der tollpatschigste Reporter das Gegenteil herausfinden kann? Warum würden sie behaupten, sie hätten keine Vorwarnungen der Anschläge erhalten, wenn die Unrichtigkeit dieser Behauptung sicherlich entdeckt werden würde? Warum sollten sie Präsident Bush so tun lassen, als ob er nicht wüsste, dass das Land (scheinbar) angegriffen wird, wenn allgemein bekannt ist, dass er von solchen Ereignissen sofort informiert würde? Warum sollte der Präsident, nachdem er offiziell wusste, dass ein modernes Pearl Harbor passierte, auch noch »die Lesesache« fortsetzen? Und warum sollte er an seinem offiziell bekannten Aufenthaltsort bleiben, um so anscheinend zu demonstrieren, dass er und seine Mitarbeiter wüssten, dass ihnen keine Selbstmordkommandos drohten? Hätten die Verschwörer nicht ein Szenario orchestriert, bei dem der Secret Service vorgeblich wirklich besorgt gewesen wäre, und der Präsident sich wie ein echter Präsident verhalten hätte? Wenn Cheney, Rumsfeld, Wolfowitz und Libby dieses Ereignis geplant hätten, als sie ihr Projekt für das Neue Amerikanische Jahrhundert in dem Dokument aus dem Jahr 2000 veröffentlichten, kommt folgendes hinzu: warum sollten sie zulassen, dass etwas in dieses öffentliche Dokument aufgenommen wird, das für jeden nachlesbar als eine Aufforderung zu einem »neuen Pearl Harbor« verstanden werden kann? Und warum sollte Rumsfeld (unter der Annahme, dass der Bericht des Abgeordneten Cox der Wahrheit entspricht) Terroranschläge auf Amerika prognostizieren, kurz vor dem ersten Angriff auf das WTC und erneut kurz vor dem Angriff auf das Pentagon und damit die Grundlage für den Verdacht liefern, dass es Vorwissen zu den Anschlägen und auch ihrem Zeitpunkt gab?
Eine weitere Reihe von rhetorischen Fragen könnte durch die revisionistische Darstellung des Anschlags auf das Pentagon entstehen. Eine solche Frage könnte sein: Angesichts der bekannten Tatsache, dass das Pentagon von Raketen verteidigt wird, und der allgemeinen Annahme, dass es der am besten geschützte Ort der Welt ist, warum sollten die Verschwörer es als Ziel aufnehmen? Oder, wenn sie die Ziele nicht selbst wählten, sondern lediglich zuließen, dass sie getroffen werden: angenommen, dass der ursprüngliche Plan ein Anschlag auf das Pentagon mit einem entführten Passagierflugzeug war, warum hätten die Verschwörer zulassen sollen, dass das Pentagon tatsächlich getroffen wird, zumal ein Abschuss den Beweis liefern würde, dass es die Absicht gab, sich zu verteidigen? Oder, wenn man annimmt, dass der Plan die ganze Zeit war, dass das Pentagon von einem militärischen Fluggerät treffen zu lassen, um dann zu behaupten, es sei eine entführte 757 gewesen, warum sollten sie ein viel kleineres Fluggerät benutzen – vielleicht eine Rakete mit Flügeln – das viele Menschen sehen würden und das weder ein ausreichend großes Loch im Pentagon erzeugen konnte noch genügend große sichtbare Metallteile? (Heutzutage können auch Flugzeugen ohne Pilot fliegen, nicht nur Lenkwaffen.) Oder, wenn die alternative Theorie lautet, dass dieses viel kleinerer Fluggerät nur eine Improvisation war, weil Flug 77 unerwartet abstürzte (vielleicht, weil die Passagiere den Entführern Widerstand leisteten), warum gab es keinen besseren Plan B? Oder besser noch: warum ließen die Verschwörer diesen Teil des Plans nicht einfach weg, anstatt ein Szenario zu improvisieren, dessen Absurdität sogar von Frankreich aus gesehen werden kann? Warum stellten sie die völlig lächerliche Behauptung auf, dass die Leichen der Opfer noch identifizierbar waren, während sie behaupten, dass das Feuer so heiß war, dass Stahl und Aluminium verdampften? Darüber hinaus stellt sich die Frage, welche plausible Erklärung man für die Rolle Ted Olsons finden kann: Sollen wir glauben, er hätte erfahren, dass seine Frau gerade in einer von seinen Vorgesetzten überwachten Operation umgebracht würde, und dann bereitwillig log, um ihnen zu helfen? Oder dass die ganze Geschichte eine Falschmeldung war – dass Barbara Olson in Wirklichkeit gar nicht umgebracht wurde, was bedeuten würde, sie müsste den Rest ihres Lebens inkognito verbringen? Und warum sollte man eine so unglaubwürdige Geschichte fabrizieren, bei der alle Passagiere aufgefordert werden, zu Hause anzurufen, aber Olson die einzige ist, die es tut? Es hätte sicherlich bessere Möglichkeiten gegeben, den Eindruck zu vermitteln, Flug 77 sei nicht abgestürzt und dann zurück nach Washington geflogen. Schließlich, wenn die Boeing 757 von Flug 77 irgendwo abstürzte, vielleicht in Ohio oder Kentucky, warum gab es keine Berichte über das Wrack?
Noch mehr rhetorische Fragen würden zweifellos hervorgerufen werden durch die Darstellung von Flug 93 im Rahmen der revisionistischen Hypothese, gemäß der Beamte, als ihnen klar wurde, dass die Passagiere die Kontrolle über das Flugzeug erlangen würden, es abschossen. Warum würden die Verschwörer, die sich auf die besten Militär- und CIA-Köpfe mit Erfahrungen bei verdeckten Operationen stützen können, nicht zum Beispiel einen besseren Plan B haben, wie eine Bombe mit einer elektronischen Zündung? Warum sollten sie eine Art der Beseitigung riskieren, die wahrscheinlich derart viele verräterische Anzeichen zeigen würde, vor allem die Sichtungen der Flugzeuge?
Schließlich könnten Kritiker der Theorie der Komplizenschaft glauben, dass die gefährlichste rhetorische Frage sich genau daraus ergibt, dass keine Bestrafungen bekannt wurden, was auch Kritiker der Inkompetenztheorie betonen. Wenn der 11. September das Resultat einer Verschwörung wäre, könnte man hinterfragen, warum gab es keine Sündenböcke? Die offizielle Darstellung beinhaltet, wenn auch nur verdeckt, die vielleicht größte Inkompetenztheorie in der Geschichte, denn die Darstellung geht von einer unglaublichen Inkompetenz aus, u.a. von FBI-Agenten, FAA-Fluglotsen, NMCC-Beamten, NORAD-Beamten und Kampfpiloten. Es gäbe potentielle Sündenböcke in Hülle und Fülle, von denen ein paar geopfert worden wären, um die tatsächlichen Verschwörer vor einem Verdacht zu schützen. Im Gegensatz zu früheren Erfahrungen geschah dies jedoch nicht. Tatsächlich ist von allen Menschen, die offensichtlich grobe Inkompetenz zeigten, wenn man der offiziellen Darstellung glaubt, offenbar nicht einer entlassen oder auch nur offiziell gerügt worden. Einige wurden sogar befördert, wodurch sich der Verdacht erhärtet, dass sie den Wunsch ihrer Vorgesetzten ausführten. Aber wäre ein solches Verhalten nicht zu arrogant und würde das der Presse nicht zu viel Dummheit oder absichtliche Blindheit zuschreiben, um glaubwürdig zu sein? Müssen wir nicht davon ausgehen, dass Führungskräfte in der Bush-Regierung, wenn sie am 11. September beteiligt waren, nicht eine große Show abziehen würden, um wenigstens ein paar Leute für ihre grobe Inkompetenz zu bestrafen?
Dies sind zumindest die rhetorischen Fragen, die mir eingefallen sind, als ich versucht habe, imaginär die Theorie der Komplizenschaft zu konkretisieren, die Kritik an der offiziellen Darstellung mit sich zu bringen scheint. Wenn alle diese rhetorischen Fragen zusammen genommen werden, scheinen wir nicht einfach mit der Wahl zwischen Inkompetenz und Komplizenschaft konfrontiert. Vielmehr scheint es die Wahl zwischen einer Theorie zu sein, nach der Untergebene vorübergehend unglaublich inkompetent waren, und einer Theorie, nach der hochrangige Beamte unglaubliche Inkompetenz zeigten, als sie eine Verschwörung fabrizierten. Und diese Inkompetenz »unglaublich« zu nennen, weist darauf hin, dass sie schwer zu glauben ist. Kritiker der Mittätertheorie können daher sagen, dass man übermäßig leichtgläubig sein muss, um sie zu glauben.
Diejenigen, die die Theorie der Verschwörer in höchsten Positionen akzeptieren, könnten sicherlich die scheinbare Inkompetenz dieses Plans mit der Theorie der »großen Lüge« erklären, gemäß der die Massen eher bereit sind, eine große Lüge zu glauben, als eine kleine, eben weil sie sich nicht vorstellen können, dass jemand versuchen würde, mit einer solch verwegenen Geschichte durchzukommen. Gore Vidal sagt zum Beispiel: »Es scheint, als ob die Hitler-Clique es kapiert hatte, als es um die menschliche Leichtgläubigkeit ging: je größer die Lüge, desto eher wird sie geglaubt.«25 Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass diese Erklärung dazu dienen kann, die zahlreichen Zweifel zu überwinden: dass Spitzenkräfte, die in hohe politische, geheimdienstliche und militärische Positionen aufgestiegen sind, sich einen Plan mit einem solch offensichtlich unglaubwürdigen Vertuschungsgeschichte ausdenken würden.
Im Hinblick darauf, dass eine Darstellung der offiziellen Komplizenschaft schwierig zu konstruieren ist, die – zumindest auf der Grundlage der derzeit bekannten Tatsachen – allgemein plausibel wirkt, verweise ich einfach auf Ahmeds Eingeständnis, dass er keinen Anspruch auf die Präsentation einer endgültig schlüssigen Beweisführung hat. An diesem Punkt könnten jedoch Ahmed, Chossudovsky, Meyssan, Thompson und andere Kritiker der offiziellen Darstellung ein warnendes Wort einwerfen: dass es Fragen gibt, die wir nicht beantworten können, sollte nicht so verstanden werden, dass wir einfach vor der Wahl zwischen zwei Hypothesen stehen, die beide gleichermaßen ernsten Fragen unterliegen. Stattdessen beruhen die Fragen, die zur offiziellen Darstellung gestellte werden, auf Konflikten zwischen dieser Darstellung und bekannten Tatsachen, während die Fragen zur Mittätertheorie nur rhetorische Fragen sind, auf die keine Antworten erwartet werden. Aber vielleicht können zumindest einige von ihnen beantwortet werden.
Ein Beispiel ist die Frage, warum die Angriffe durch Flugzeuge geschahen, statt einer anderen Art von Terroranschlag, die leichter zu bewerkstelligen war, zu der bereits die Antwort impliziert wurde. Wenn eines der Motive für die Anschläge war, Unterstützung für ein Budget von vielen Milliarden Dollar für den Raketenabwehrschild zu gewinnen, mussten die Angriffe aus der Luft kommen, um als »Space Pearl Harbor« wahrgenommen zu werden. Obwohl Anschläge mit chemischen und biologischen Waffen viel einfacher gewesen wären und wesentlich weniger Menschen an der Verschwörung beteiligt hätten, hätten sie nicht den erwünschten Effekt erreicht.
Im Hinblick auf die Frage, ob es plausibel ist, warum so viele Verschwörer stillhalten würden, könnten die Revisionisten antworten, dass Leute, die diese Frage aufzuwerfen, wahrscheinlich noch nie eine Einschüchterung durch Strafandrohung oder schlimmeres erfahren hätten.
Darüber hinaus könnten die Revisionisten äußern, dass einige der rhetorischen Fragen darauf beruhen, dass wir bis heute viele Dinge über den 11. September noch nicht wissen. Diese Fragen könnten durch eine umfassende Untersuchung beantwortet werden. Man kann nicht erwarten, dass die Revisionisten, unabhängige Forscher, die nur ein begrenztes Budget und keine Macht haben, Zeugen vorzuladen, alle Fragen ihres Alternativszenarios beantworten können. Meyssan zum Beispiel sagt, dass in einigen Fällen die Fakten, die er aufgedeckt hat, das wahre Geschehen erkennen lassen, aber in anderen Fällen »unsere Fragen für den Moment offen bleiben.« Er nennt eine Reihe von Fragen, die er gerne beantwortet hätte: »Was wurde aus Flug American Airlines 77? Sind die Passagiere tot? Wenn ja, wer hat sie getötet und warum? Falls nicht, wo sind sie?« Während er voll und ganz eingesteht, dass er noch nicht alle Antworten hat, setzt er dennoch fort, dass »dies kein Grund ist, weiterhin die Lügen der US-Spitzenkräfte zu glauben.«26 Mit anderen Worten: Wir bekommen solange kein Bild vom wirklichen Geschehen am 11. September, bis unser Bewusstsein für all die Lügen uns dazu bringt, umfassende Untersuchungen zu fordern.
Die restlichen rhetorischen Fragen suggerieren, dass man, um die Mittätertheorie zu akzeptieren, an einen unglaublichen Grad an Inkompetenz bei den Verschwörern glauben muss. Das könnte aber tatsächlich die Wahrheit sein. Im Hinblick auf die Besetzung des Iraks wurde die Inkompetenz bei den Planungen der Bush-Regierung bei allem – außer dem ersten militärischen Sieg und der Sicherung der Ölfelder und des Ölministeriums – immer offensichtlicher. Vielleicht gab es eine vergleichbare Inkompetenz bei der Planung des 11. September und der Vertuschungsgeschichte. Vielleicht ist das Wissen darüber nur deshalb noch nicht weit genug verbreitet, weil die Massenmedien es versäumt haben, die amerikanische Öffentlichkeit über die vielen Spannungen zwischen der offiziellen Darstellung und den relevanten Fakten zu informieren. Zum Beispiel haben die Medien die Öffentlichkeit nicht über das Standardverfahren für das Abfangen entführter Flugzeuge informiert. Sie haben nicht betont, dass das, was jetzt als offizielle Darstellung der Regierung als Reaktion auf die Entführungen gilt, stark von dem abweicht, was in den ersten Tagen nach dem 11. September gesagt wurde. Sie haben nicht hervorgehoben, dass die Erklärungen für die Verspätung der Kampfjets keinen Sinn ergeben. Sie haben die Öffentlichkeit auch nicht über die vielen physischen Belege informiert, die der offiziellen Darstellung des Anschlags auf das Pentagon widersprechen. Sobald diese und andere relevante Fakten bekannt sind, könnten Kritiker der offiziellen Theorie argumentieren, wird allgemein deutlich, wie der Name von Jared Israels Internetseite es bereits sagt: der Kaiser hat gar keine Kleider an.27
Probleme für eine Zufallstheorie
Etwas noch wichtigeres könnten die Kritiker der offiziellen Darstellung betonen: die Ablehnung der Verschwörungstheorie fordert einen hohen Preis. Eine Verschwörungstheorie beruht in der Regel auf der Wahrnehmung eines Musters, sowie der Behauptung, dass die Existenz dieses Muster am besten durch die Annahme erklärt wird, dass es durch die vereinten Bemühungen von zwei oder mehr Personen geschaffen wurde. Um eine bestimmte Verschwörungstheorie dieser Art zurückzuweisen, muss man entweder leugnen, dass das angebliche Muster existiert, oder behaupten, dass das Musters rein zufällig ist. Es wäre schwierig zu leugnen, dass die Kritiker der offiziellen Darstellung ein Muster erkannt haben. Sie haben gezeigt, dass viele ansonsten rätselhafte Ereignisse – vor, während und nach dem 11. September – durch die Theorie erklärt werden können, dass sich hochrangige Beamte der US-Regierung verschworen haben, die Anschläge geschehen zu lassen und dies dann zu vertuschen. Angesichts dieses Musters ist der Preis für die Ablehnung dieser Verschwörungstheorie das Akzeptieren der Zufallstheorie. Und die Kritiker der offiziellen Darstellung können hervorheben, dass die Anzahl der Zufälle, die akzeptiert werden müsste, enorm ist. Eine vollständige Liste würde folgende Zufälle beinhalten:
1. Mehrere FAA-Fluglotsen zeigten extreme Inkompetenz am 11. September und offenbar nur an diesem Tag.
2. Die Verantwortlichen des NMCC und des NORAD handelten am 11. September ebenso inkompetent und offenbar nur an diesem Tag.
3. Im Speziellen orderten NMCC-NORAD-Beamte Kampfjets, als sie endlich zum Schutz von New York und Washington reagierten, in allen Fällen von weiter entfernten Luftwaffenbasen statt von der Basis McGuire beziehungsweise Andrews.
4. Nach öffentlichen Aussagen, dass die Andrews Air Force Base keine Kampfjets in Bereitschaft hatte, um Washington zu beschützen, wurde ihre Internetseite geändert, die ursprünglich erwähnt hatte, dass dort ständig zahlreiche Kampfjets in Bereitschaft sind.
5. Mehrere Piloten, die normalerweise in unter drei Minuten in die Luft und auf Höchstgeschwindigkeit kommen, brauchten am 11. September alle erheblich länger zum Aufsteigen.
6. Die gleichen Piloten, deren Flugzeuge sonst 2400 bis 3000 Kilometer pro Stunde fliegen, waren an diesem Tag nachweislich nur in der Lage, mit all ihren Maschinen 500 bis 1100 Kilometer pro Stunde zu fliegen.
7. Der Zusammenbruch der Gebäude des World Trade Center – fast im freien Fall – zeigte weitere Merkmale einer kontrollierten Sprengung: flüssigen Stahl, seismische Erschütterungen und feinen Staub.
8. Die Video- und physischen Belege, die eine kontrollierte Sprengung als Ursache für den Zusammenbruch der Zwillingstürme nahe legen, bestehen neben Zeugenaussagen, die in den Gebäuden die Auswirkungen von Explosionen hörten, fühlten und sahen.
9. Die Zusammenbrüche von WTC 1 und WTC 2 hatten einige gemeinsame Merkmale mit dem Zusammenbruch von WTC 7, der aber nicht auf den Einschlag und das Kerosin eines Flugzeugs zurückgeführt werden kann.
10. Sowohl der Nordturm als auch der Südturm kollabierten gerade dann, als die Brände nachließen, obwohl das bedeutete, dass der als zweiter getroffene Südturm als erster zusammenbrach.
11. Regierungsbehörden ließen die Trümmer der kollabierten WTC-Gebäude, einschließlich des Stahls, ohne Untersuchung entfernen, was zu erwarten wäre, wenn die Regierung verhindern wollte, dass Beweise für Sprengstoff entdeckt werden.
12. Physische Beweise weisen darauf hin, dass das Pentagon nicht von einer Boeing 757 getroffen wurde, was mit den Aussagen mehrerer Zeugen übereinstimmt, dass das Fluggerät viel kleiner als eine 757 war.
13. Zugleich gibt es Hinweise, dass Flug 77 in Kentucky oder Ohio abstürzte.
14. Diese Beweise bestehen neben der Tatsache, dass der einzige Beweis, dass Flug 77 nicht abgestürzt ist, von einem Staatsanwalt kommt, der enge Verbindungen zur Bush-Regierung hat.
15. Neben Beweisen, dass Flug 77 nicht in Richtung Washington zurückflog, um das Pentagon zu treffen, fehlten bei den veröffentlichten Flugschreiberdaten die letzten 20 Minuten.
16. Das Luftfahrzeug traf das Pentagon erst nach der Ausführung eines sehr schwierigen Manövers; außerdem traf es einen Teil des Gebäudes, in dem sich keine hohen Entscheidungsträger befanden und der Einschlag am wenigsten Tote und Zerstörungen verursachte.
17. Am selben Tag, an dem Kampfjets das Pentagon nicht vor einem Angriff durch ein einzelnes Flugzeug schützen konnten, versagten auch die Raketen, die das Pentagon normalerweise schützen.
18. Übertragungen aus Mobiltelefonen im Inneren von Flug 93 deuten darauf hin, dass er von einer Rakete getroffen wurde, was zu vielen Berichten von Zeugen am Boden passt.
19. Die Beweise dafür, dass Flug 93 abgeschossen wurde, passen zu Berichten von zivilen und militärischen Führern, dass es ihre Absicht war, dieses Flugzeug abzuschießen.
20. Flug 93, das einzige Flugzeug, das offenbar abgeschossen wurde, war das einzige, bei dem die Passagiere dabei waren, die Kontrolle zurück zu gewinnen.
21. Neben Indizien dafür, dass Flug 93 abgeschossen wurde, als die Passagiere dabei waren, die Kontrolle zu übernehmen, wurde das Transkript des Flugschreibers nicht veröffentlicht.
22. Dieser zufällige Zusammenhang besteht neben der Tatsache, dass bei der Veröffentlichung der Cockpit-Aufnahmen von Flug 93 die letzten drei Minuten fehlten.
23. Beweise dafür, dass die US-Regierung weit mehr konkrete Anhaltspunkte zu dem hatte, was sich am 11. September ereignen würde, als sie zugab, besteht neben Beweisen für die aktive Blockade von Ermittlungen, die vielleicht die Anschläge verhindern konnten.
24. Neben den Berichten über Behinderungen von FBI-Agenten in Minneapolis gibt es ähnliche Berichte aus Chicago und New York.
25. Berichte über diese Behinderungen vor dem 11. September haben ihr Pendant in behinderten Ermittlungen nach dem 11. September.
26. Die Berichte von Behinderungen bestehen gemeinsam mit mehreren Berichten, aus denen hervorgeht, dass die US-Regierung nicht wirklich versuchte, Osama bin Laden vor oder nach dem 11. September zu fangen oder zu töten, mit der Folge, dass mehrere Personen unabhängig voneinander behaupteten, die US-Regierung müsse für bin Laden arbeiten – oder umgekehrt.
27. Zu all diesen Punkten kommen Berichte hinzu, dass Entführer trotz bekannter Terroristenverbindungen oder Visumsverletzungen ins Land gelassen wurden.
28. Berichte über die Verletzungen von Einwanderungsbestimmungen bestehen neben Beweisen, dass einige dieser Männer an US-Flugschulen – teilweise auf Militärbasen – trainieren durften.
29. Hinzu kommen Belege, dass US-Beamten versuchten, diese Beweise zu verheimlichen.
30. Die traumatischen Ereignisse des 11. September fanden nur ein Jahr nach der Veröffentlichung eines Dokuments des Projekts für das Neue Amerikanische Jahrhundert statt – einer Organisation, deren Gründer zu zentralen Figuren der Bush-Regierung wurden – das sich auf Vorteile bezieht, die aus »einem neuen Pearl Harbor« resultieren könnten.
31. Von der »einigenden geballten amerikanischen Wut wie bei Pearl Harbor«, die die Anschläge des 11. September erzeugten, profitierte die Bush-Regierung in vielerlei Hinsicht.
32. Ein glaubwürdiger Bericht, dass Sprecher der Bush-Regierung zuvor angekündigt hatten, einen Krieg gegen Afghanistan zu planen, der vor Mitte Oktober beginnen würde, besteht neben der Tatsache, dass der Termin der Anschläge den US-Streitkräften genug Vorbereitungszeit gab, um Afghanistan am 7. Oktober anzugreifen.
33. Ahmad Masood, dessen weitere Existenz den US-Plänen in Afghanistan Probleme bereitet hätte, wurde Berichten zufolge von ISI-Agenten ermordet, kurz nachdem der Chef des ISI, General Mahmoud Ahmad, sich für mehrere Tage mit dem CIA-Chef in Washington getroffen hatte.
34. In der Version des Weißen Hauses der Aufnahme von Condoleezza Rice' Pressekonferenz am 16. Mai ist der einzige Teil, der nicht hörbar war, der Abschnitt der Frage, in dem die Person, die am 11. September in Washington war, als »der ISI-Chef« identifiziert wird.
35. Die Indizien für offizielle Bemühungen, General Ahmads Präsenz in Washington zu verbergen, bestehen neben Beweisen, dass nach dem Bekanntwerden seiner Anordnung für eine Überweisung von 100.000 Dollar an Mohamed Atta Führungspersönlichkeiten der USA Druck auf den ISI ausübten, um ihn stillschweigend seines Posten zu entheben.
36. Beweise dieser Versuche, General Ahmads Beteiligung an den Anschlägen des 11. September zu verheimlichen, existieren zusammen mit Hinweisen darauf, dass das FBI und andere Bundesbehörden die Tatsache verschleierten, dass Saeed Sheikh, der Mann, der das Geld an Atta überwiesen hat, ein ISI-Agent war.
37. Mitarbeiter im FBI-Hauptquartier, die das angeblichen Versagen der Geheimdienste verantworteten, das den 11. September erst ermöglichte und weithin als das größte Versagen seit Pearl Harbor bezeichnet wird, wurden befördert statt gefeuert oder anderweitig bestraft zu werden; daneben berichteten auch andere Geheimdienste, dass es keine Strafen für Inkompetenz im Zusammenhang mit dem 11. September gab.
38. Zusätzlich haben Geheimdienstmitarbeiter, die fleißig versuchten, Untersuchungen in Bezug auf 9/11 anzustellen, negative Behandlung durch Vorgesetzten erlitten.
Wie man sieht, kann die von manchen Kritiker als Inkompetenztheorie bezeichnete Hypothese einfach als Teil einer größeren Zufallstheorie verstanden werden: zu ihr gehört, dass FAA-Mitarbeiter, Angehörige von NMCC und NORAD, Piloten, Beamte der Einwanderungsbehörden, US-Militärs in Afghanistan und zahlreiche US-Geheimdienste im Zusammenhang mit 9/11-relevanten Umständen alle zufällig mit extremer und ungewöhnlichen Inkompetenz handelten.
Aber die Zufallstheorie erfordert eine noch größere Leichtgläubigkeit. Sie zu akzeptieren erfordert nicht nur die Behauptung, dass jede Verbindung der Ereignissen auf der obigen Liste – die alle eine Verschwörungstheorie als Teil eines geplanten Musters erklären könnte – rein zufällig auftrat. Es erfordert auch die Behauptung, dass die Tatsache, dass es so viele Ereignisse in Verbindung mit dem 11. September gab, die Zufälle beinhalten – mindestens 38 solcher Ereignisse – selbst rein zufällig ist.
Aus dieser Perspektive, so können Revisionisten konstatieren, ist der Umstand, dass eine Mittätertheorie zu diesem Zeitpunkt nicht in der Lage sein kann, alle Fragen zu beantworten, die sie hervorruft, ein relativ triviales Problem. Sobald uns die relevanten Tatsachen bekannt werden, umfasst die offizielle Darstellung eine Zufallstheorie, die weit mehr Leichtgläubigkeit erfordert, als die, der die »Verschwörungstheoretiker« bezichtigt werden.
Darüber hinaus wäre die Tatsache, dass die Revisionisten noch nicht alle Fragen beantworten, nur wichtig, wenn sie behaupteten, eine komplett schlüssige Beweisführung vorzulegen. Das tun sie aber nicht. Meyssan zum Beispiel fordert die Leser nicht auf, seine Argumentation als »die endgültige Wahrheit« zu akzeptieren, sondern hofft, dass seine Leser die Quellen verwenden werden, um die Beweise selbst zu überprüfen.28 Ahmed sagt, dass der Zweck seines Buches nicht ist, eine endgültige Darstellung zu liefern, sondern lediglich »die Klarstellung des dringenden Bedürfnisses einer gründlichen Untersuchung der Ereignisse des 11. September.«29
Mein Buch ist ein Versuch, in relativ kurzer Form zu zeigen, dass er und die anderen genau dies getan haben.
© David Ray Griffin
Oliver Bommer (deutsche Übersetzung)
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