5. Kapitel: Hatten US-Beamte Vorwissen zum 11. September?
Das neue Pearl Harbor - Band 1
Beunruhigende Fragen zur Bush-Regierung und zum 11. September
Teil 2: Die größeren Zusammenhänge
5. Kapitel
Hatten US-Beamte Vorwissen zum 11. September?
Der größere Kontext für die Untersuchung der Ereignisse des 11. September besteht laut Kritikern der offiziellen Version aus vier weiteren Arten von Beweisen, die gegen diese Version sprechen. In diesem Kapitel untersuche ich die erste Art: Beweise, dass US-Beamte Informationen über die Angriffe hatten, bevor sie geschahen.
Viele Spitzenleute der Bush-Regierung behaupteten, die Ereignisse des 11. September kamen völlig unerwartet. Zum Beispiel sagte Condoleezza Rice, Bushs nationale Sicherheitsberaterin, im Mai 2002: »Ich glaube nicht, irgendjemand hätte vorhersagen können, dass diese Leute ein Flugzeug entführen und es in das World Trade Center stürzen würden, dass sie ein weiteres in ihre Gewalt bringen und es ins Pentagon stürzen - dass sie versuchen … ein entführtes Flugzeug als Rakete zu benutzen.«1 Im Juni 2002 sagte Präsident Bush in einer Ansprache an die Nation: »Nach allem, was ich gesehen habe, glaube ich nicht, dass jemand den Schrecken des 11. September hätte verhindern können.«2 Eine weitere Behauptung, die die Zusammenfassung des Abschlussberichts der Untersuchung durch die Joint Inquiry (Gemeinsame Untersuchungskommission), durchgeführt durch den US-Senat und das Repräsentantenhauses, bestätigt, ist, dass es zwar einige Hinweise auf Pläne von Terroranschlägen in den Vereinigten Staaten gab, aber »es die allgemeine Auffassung der Geheimdienste im Frühjahr und Sommer 2001 war, dass die drohenden bin Laden-Anschläge sich höchstwahrscheinlich gegen US-Interessen in Übersee wenden würden.«3 Diese allgemeinen Behauptungen lassen sich in zwei spezifischere aufteilen, die beide von den Kritikern der offiziellen Darstellung in Frage gestellt werden.
Wurde nicht gerade die Möglichkeit solcher Angriffe vergegenwärtigt?
Eine dieser Behauptungen lautet, dass man sich gerade nicht vorstellen konnte, dass jemand Flugzeuge als Waffen benutzen würde. Zum Beispiel wurde ein Beamter des Verteidigungsministerium mit den Worten zitiert: »Ich glaube nicht, dass irgendjemand von uns eine Bedrohung aus der Luft durch große Flugzeuge innerhalb der USA vorausgesehen hat. Ich kenne niemanden, der jemals darüber nachgedacht hat.«4 Etwa ein Jahr später sagte der Pressesprecher des Weißen Hauses, Ari Fleischer: »Bevor der Anschlag stattfand, ist es meiner Meinung nach fair zu sagen, dass niemand dies als eine Möglichkeit vorhergesehen hatte.«5
Kritiker sagen jedoch, dass es viele Beweise für das Gegenteil gibt. Zum Beispiel wies im Jahr 1993 ein Expertengremium im Auftrag des Pentagons darauf hin, dass Flugzeuge als Geschosse eingesetzt werden könnten, um nationale Wahrzeichen zu bombardieren. Doch diese Ansicht wurde nicht im Terror 2000-Bericht des Pentagons veröffentlicht, weil, so einer der Autoren: »Uns wurde vom Verteidigungsministerium aufgetragen, das nicht mit hineinzunehmen.« Allerdings schrieb einer dieser Experten 1994 in der Zeitschrift Futurist:
Ziele wie das World Trade Center liefern nicht nur die notwendigen Opfer, sondern bieten auch aufgrund ihrer symbolischen Bedeutung ein besonders gutes „Preis-Leistungs-Verhältnis“. Um ihre Erfolgschancen zu maximieren, werden Terrorgruppen wahrscheinlich mehrfache, gleichzeitige Operationen in Betracht ziehen.6
Im selben Jahr gab es drei Flugzeuge, die mit der Absicht entführt wurden, sie als Waffen zu benutzen, einschließlich eines breit veröffentlichten Plan einer terroristischen Vereinigung mit Verbindung zu al-Qaida, ein Flugzeug in den Eiffelturm zu stürzen. Im Jahr 1995 beschrieb Senator Sam Nunn in einer Titelgeschichte des Time-Magazins ein Szenario, in dem Terroristen ein ferngesteuertes Flugzeug in das Kapitol lenken wollen.7
1995 brachte zudem eine ausgesprochen wichtige Entdeckung, über die weithin berichtet wurde: Die philippinische Polizei fand einen al-Qaida-Computer mit einem Plan namens ‚Project Bojinka‘. Eine Version davon beinhaltete entführte Flugzeuge, die in Ziele wie das World Trade Center, das Weiße Haus, das CIA-Hauptquartier und das Pentagon fliegen sollten. Dieser Plan – der Berichten zufolge von Khalid Scheich Mohammed (der als Drahtzieher des 11. September identifiziert wurde) und seinem Verwandten Ramsi Yousef formuliert wurde (8) – tauchte 1996 im Gerichtsverfahren gegen letzteren wegen des Anschlags auf das World Trade Center im Jahr 1993 (in dem auch Mohammed angeklagt war) erneut auf.9 Yousefs Verurteilung, so weist Ahmed darauf hin, fand am 11. September 1996 statt, so dass der 11. September der fünfte Jahrestag war.10 Darüber hinaus berichtet Thompson, dass ein philippinischer Ermittler nach den Anschlägen sagte: »Das ist Bojinka. … Wir haben den Amerikanern alles über Bojinka erzählt. Warum haben sie es nicht beachtet?«11
Im Jahr 1999 sagte das National Intelligence Council, das den Präsidenten und die US-Geheimdienste über neu auftretende Bedrohungen berät, in einem speziellen Bericht über den Terrorismus:
Al-Qaidas erwartete Vergeltung für den US-Marschflugkörper-Angriff [von 1998] … welcher verschiedenen Formen von Terroranschlägen in der Hauptstadt der Nation beinhalten könnte. Zu al-Qaidas Märtyrer-Bataillon gehörende Selbstmordattentäter könnten ein Flugzeug mit Sprengstoff … in das Pentagon, das Hauptquartier der Central Intelligence Agency (CIA) oder das Weiße Haus fliegen.12
Im Hinblick auf das Pentagon führten Beamte im Oktober 2000 eine Notfallübung durch, um sich auf die Möglichkeit vorzubereiten, dass ein entführtes Passagierflugzeug ins Pentagon stürzen könnte.13
Insgesamt, so die Kritiker, ist die Behauptung, dass die Möglichkeit solcher Angriffe nicht vorgesehen wurde, eindeutig falsch.
Gab es keine spezifischen Warnungen zu den Anschlägen?
Eine zweite, enger gefasste Behauptung ist, dass es zwar Warnungen über die Möglichkeit von Angriffen dieser Art gab, aber keine spezifischen Warnungen in Bezug auf den 11. September. Zum Beispiel sagte FBI-Direktor Robert Mueller drei Tage danach: »Es gab keine Anzeichen, derer ich bin mir bewusst bin, die auf diese Art von Operation im Land hinwiesen.«14 Ein Jahr später behauptete er immer noch: »Bis heute haben wir niemanden in den Vereinigten Staaten mit Ausnahme der eigentlichen Entführer gefunden, der von den Anschlagsplänen wusste.«15
Akzeptanz für diese Behauptung spiegelt sich in der Zusammenfassung des Abschlussberichts der vom US-Senat und Repräsentantenhaus durchgeführten Joint Inquiry (Gemeinsamen Untersuchungskommission) wider. Der erste »Befund« in dieser Zusammenfassung lautet:
Während die Geheimdienstwelt viele wertvolle Erkenntnisse über Usama bin Ladin und seine terroristischen Aktivitäten angehäuft hatte, erkannte keine davon die Zeit, den Ort und Art der Angriffe, die für den 11. September 2001 geplant waren. [Anmerkung des Autors: Schreibweisen seines Namens wechseln aufgrund unterschiedliche Arten der Transliteration des Arabischen ins Deutsche.]
Wie wir bereits vorher gesehen haben, sagte diese Zusammenfassung des Abschlussberichts des gemeinsamen Untersuchungsausschusses tatsächlich, dass die Informationen die Nachrichtendienste zu der Vorstellung verleiteten, dass die Angriffe »US-Interessen in Übersee« treffen sollten.
In Wirklichkeit, argumentieren Kritiker, gab es aber offenbar in den Monaten bis zum 11. September viele sehr konkrete Warnungen. Angesichts der Tatsache, dass Berichten zufolge im Mai 2001 die Warnungen vor einem Anschlag gegen die USA stärker als je zuvor waren, hätten US-Geheimdienste besonders auf der Hut sein müssen.16 Man sollte annehmen, dieser Alarmzustand wäre noch weiter erhöht worden, angesichts der Tatsache, dass eine Geheimdienstzusammenfassung von CIA-Direktor George Tenet für Condoleezza Rice am 28. Juni besagte: »Ein bedeutender al-Qaida-Anschlag ist in der näheren Zukunft, innerhalb von mehreren Wochen sehr wahrscheinlich.«17 Dies war der Zusammenhang, in dem die doch recht spezifischen Warnungen kamen.
Ende Juli zum Beispiel informierte der ‚Außenminister‘ der Taliban US-Beamte, dass Osama bin Laden einen »großen Anschlag« in Amerika plane, der unmittelbar bevorstehen und Tausende töten würde.18 Dass diese Informationen darauf hinwiesen, dass der Anschlag Linienfluge betreffen würde, wird durch die Tatsache angedeutet, dass am 26. Juli CBS News berichtete, dass Justizminister Ashcroft dieses Verkehrsmittel wegen einer Bedrohungsanalyse nicht mehr benutzte – obwohl »weder das FBI noch das Justizministerium … feststellten, worin die Bedrohung bestand, wann sie entdeckt wurde oder wer diese Bedrohung schuf.«19 Im Mai 2002 wurde behauptet, dass die Beurteilung der Bedrohungslage nichts mit al-Qaida zu tun hätte, aber statt Fragen dazu zu beantworten, verließ Ashcroft laut Associated Press einfach sein Büro. Der San Francisco Chronicle beschwerte sich mit den Worten: »Das FBI wusste offenbar, dass etwas im Busch war. … Das FBI instruierte Ashcroft, sich von Verkehrsflugzeugen fernzuhalten. Der Rest von uns musste einfach das Risiko eingehen.« Dan Rather von CBS fragte später bezüglich dieser Warnung: »Warum wurde dies der Öffentlichkeit nicht im Detail mitgeteilt?«20
Im August und September kamen noch mehr Warnungen hinzu. Ein marokkanischer Agent, der al-Qaida infiltriert hatte, wurde in die Vereinigten Staaten gebracht, um seinen Bericht zu erörtern, wonach bin Laden, enttäuscht darüber, dass der Bombenanschlag von 1993 das WTC nicht zum Einsturz gebracht hatte, »im Sommer oder Herbst 2001 große Anschläge in New York plane.«21 Der ehemalige CIA-Agent Robert Baer sagte Berichten zufolge dem CIA-Antiterrorzentrum, dass er von einem Militärberater eines Prinzen im Persischen Golf erfahren hatte, dass eine »spektakuläre Terroroperation« stattfinden würde.22 Zahlreiche Warnungen wurden außerdem nach Berichten von mehreren ausländischen Geheimdiensten ausgegeben. Zum Beispiel erklärte der russische Präsident Putin später, dass er im August »seinem Geheimdienst [befahl], Präsident Bush auf das Schärfste zu warnen, dass 25 Terroristen sich bereit machten, die USA anzugreifen, darunter wichtige öffentliche Gebäude wie das Pentagon.« Der Leiter des russischen Geheimdienstes sagte außerdem: »Wir haben sie deutlich bei mehreren Gelegenheiten gewarnt«, aber sie »schenkten dem nicht die notwendige Aufmerksamkeit.«23 Warnungen kamen nachweislich auch aus Jordanien, Ägypten und Israel,24 wobei das letztgenannte Land wenige Tage vor dem 11. September warnte, dass vielleicht 200 Terroristen mit Verbindung zu Osama bin Laden »eine große Operation vorbereiten.«25
Eine der offiziellen Warnungen aus dieser Zeit wurde sehr bekannt - ein Memo aus Großbritannien, welches in die Geheimdienstzusammenfassung für Präsident Bush am 6. August aufgenommen wurde. Diese Warnung besagte, al-Qaida plane einen Angriff mit mehreren Flugzeugentführungen innerhalb der Vereinigten Staaten. Das Weiße Haus hielt diese Warnung geheim, und der Präsident behauptete wiederholt nach dem 11. September, er habe keine Warnungen jeglicher Art erhalten. Am 15. Mai 2002 enthüllte CBS Evening News aber die Existenz des britischen Geheimdienst-Memos. Condoleezza Rice versuchte, seine Bedeutung mit den Worten herunterzuspielen, es wäre »verschwommen und dünn« und umfasste nur anderthalb Seiten. Zeitungsberichte besagten jedoch, dass es 11 Seiten lang war.26 Ari Fleischer sagte ganz deutlich: »Der Präsident hat keine – keine – Informationen über den Einsatz von Flugzeugen als Geschosse durch Selbstmordattentäter erhalten.«27 Wenige Tage später berichtete jedoch der Guardian, dass »das Memo [vom 6. August] wenig Zweifel daran ließ, dass entführte Flugzeuge für den Einsatz als Geschosse bestimmt waren und dass die beabsichtigten Ziele in den USA lagen.«28 Zweifel an der Aufrichtigkeit der Regierung entsteht auch durch die Tatsache, dass sie sich weigerte, das Memo zu veröffentlichen, und stattdessen behauptete, dass es nichts spezifisches enthält. Michael Moore fragte dementsprechend: »Wenn nichts Konkretes drin steht, warum können sie es nicht veröffentlichen?«29
Doch wenn diese Informationen noch zu allgemein waren, um die Ereignisse vom 11. September zu verhindern, lieferte die Börse noch mehr Informationen. Wie Kritiker aufzeigen, überwachen Geheimdienste den Aktienmarkt, um nach Hinweisen auf bevorstehende Katastrophen zu suchen. Und an den Tagen kurz vor dem 11. September gab es ein extrem hohes Volumen an »Put-Optionen« für die Aktien von Morgan Stanley Dean Witter, das 22 Stockwerke des World Trade Center belegte und für United und American Airlines, die beiden an den Anschlägen beteiligten Fluggesellschaften.30 Bei diesen und nur diesen Fluggesellschaften »lag das Niveau der Abschlüsse in den drei Tagen vor dem World Trade Center-Anschlag 1200 Prozent höher.«31 Der Kauf einer Put-Option ist eine Wette, dass der Preis der Aktien fallen wird, was in diesem Fall die Wette hoch profitabel machte. Wie der San Francisco Chronicle erklärt:»Als die Börsenkurse … als Reaktion auf die Terroranschläge fielen, multiplizierte sich der Wert der Optionen auf das Hundertfache und brachte Millionen Dollar ein.« Wenn eine einzelne Gruppe von Spekulanten die meisten der Tausenden von Put-Optionen für diese drei Aktien gekauft hätte, hätte diese Gruppe über 10 Millionen $ verdient. Diese ungewöhnliche Ansammlung von Käufen »wirft den Verdacht auf, dass die Anleger … Vorwissen des Anschlags hatten.«32
Noch wichtiger ist hier, dass jeder Geheimdienst-Mitarbeiter mit Blick auf diese Entwicklung, vor allem in Anbetracht all der Warnungen, leicht zu dem Schluss kommen konnte, dass jemand mit Insider-Informationen wusste, dass in der näheren Zukunft sowohl American als auch United Airlines-Flugzeuge bei Anschlägen, sehr wahrscheinlich auf das World Trade Center eingesetzt werden würden. Und es kann kein ernsthafter Zweifel daran bestehen, fügt Ahmed hinzu, dass Geheimdienstler den Markt auf der Suche nach solchen Anomalien überwachen. Er zitiert den Investigativjournalisten Michael Ruppert, einen ehemaliger Beamten der Polizei von Los Angeles, der schrieb: »Es ist gut dokumentiert, dass die CIA schon seit langem solche Geschäfte - in Echtzeit - überwacht, bezüglich potenzieller Warnungen vor Terroranschlägen und anderen wirtschaftlicher Ereignissen, die US-Interessen entgegenstehen.« Ahmed fügt hinzu, dass »die UPI ebenfalls berichtete, dass das US-finanzierte ECHELON-Geheimdienstnetzwerk den Aktienhandel eng überwacht.«33
Eine bemerkenswerte Fußnote zu dieser Geschichte ist, dass A. B. »Buzzy« Krongard, der im März 2001 von Präsident Bush innerhalb der CIA zum Direktor befördert wurde, bis 1998 Manager der Deutschen Bank war, eine der großen Banken, durch die Put-Optionen auf United Airlines gekauft wurden.34 Die Implikation ist natürlich, dass es möglicherweise Insidergeschäfte gab, die die von Martha Stewart in Größe und Bedeutung in den Schatten stellen.
Jedenfalls wurden weitere spezifische Informationen, setzen Kritiker fort, offenbar auf elektronischem Weg abgefangen. Kurz vor dem 11. September fing das FBI Berichten zufolge Meldungen ab wie: »Da kommt eine große Sache« und »Sie werden den Preis dafür bezahlen.«35 Am 9. September leitete ein ausländischer Nachrichtendienst US-Geheimdiensten eine abgefangene Nachricht von bin Laden an seine Mutter weiter, in der er ihr erzählte: »In zwei Tagen wirst du große Neuigkeit hören und du wirst für eine Weile nicht von mir hören.«36 Und am nächsten Tag, am 10. September fingen US-Geheimdienste elektronisch Gespräche ab, in denen al-Qaida-Mitglieder sagten: »Morgen wird ein großartiger Tag für uns.«37 Eins dieser Gespräche wurde von der National Security Agency (NSA) abgefangen, die während des Sommers ein Telefongespräch zwischen Mohammed Atta und Khalid Scheich Mohammed überwacht hatte, vermutlich einer der Architekten des Bojinka-Projekts, des Bombenanschlags auf das WTC im Jahr 1993 und dem Bombenanschlag auf die USS Cole.38 In den abgehörten Gesprächen vom 10. September 2001 erhielt Atta von Mohammed angeblich die endgültige Genehmigung für die Angriffe am 11. September. Laut dem Independent-Report vom 15. September 2002, der über diese abgehörten Gespräche berichtete, wurden keine Informationen darüber veröffentlicht, wann diese Gespräche übersetzt wurden.39 Aber angesichts der Tatsache, dass US-Geheimdienste im Juni 2001 erfahren hatten, dass Khalid Scheich Mohammed vorhatte, »Terroristen in die Vereinigten Staaten zu entsenden«,40 würde man davon ausgehen, dass die Übersetzung einer abgefangenen Nachricht von ihm die höchste Priorität gehabt hätte.
Aber die US-Geheimdienste behaupteten später, dass die äußerst konkreten Botschaften, die sie zwei Tage vor dem 11. September bekommen hatten, erst nach diesem Tag übersetzt worden seien. Wie Thompson darauf hinweist, ist es in Bezug auf diesen Behauptung bedeutsam, dass Senator Orrin Hatch berichtete, US-Beamte hätten zwei bin Laden-Mitstreiter belauscht, wie sie den erfolgreichen Terroranschlag feierten. Auf einer Pressekonferenz am 12. September manifestierte US-Verteidigungsminister Rumsfeld Hatchs Verdruss bei diesem Vertrauensbruch, welcher auf diese Weise preisgab, dass die US-Regierung diese Kommunikation in Wahrheit in Echtzeit elektronisch überwachte.41 Die Vorstellung, dass bestimmte Informationen nicht nur empfangen, sondern auch am 10. September übersetzt worden waren, wird weiter durch Newsweek-Bericht nahegelegt, der schrieb, dass an diesem Tag »eine Gruppe von obersten Beamten des Pentagon plötzlich Reisepläne für den nächsten Morgen absagten – angeblich wegen Sicherheitsbedenken.«42
Mit diesen vor uns liegenden Informationen können wir den Abschlussbericht der Gemeinsamen Untersuchungskommission, wie er in der Zusammenfassung widergespiegelt wird, besser beurteilen, wonach keine der den Nachrichtendiensten zur Verfügung stehenden Informationen »die Zeit, den Ort und die genaue Art der Anschläge identifizierten, die für den 11. September 2001 geplant waren.« Die Gemeinsame Untersuchungskommission versuchte offensichtlich, diesen oben besprochenen Befund mit der Art der sehr spezifischen Informationen mit den folgenden Worten in Einklang zu bringen: »In der Zeit vom 8. September bis zum 10. September 2001 fing die NSA einige Nachrichten mit Hinweisen auf mögliche drohende Terroraktivitäten ab, übersetze diese aber erst nach dem 11. September.«43 Es wäre allerdings interessant zu wissen, ob diese Schlussfolgerung auf anderen Beweisen beruhte, als den Zeugenaussagen von NSA-Mitarbeitern. Es wäre auch interessant zu wissen, ob die Gemeinsame Untersuchungskommission zu erklären versuchte, warum »eine Gruppe von obersten Pentagon-Beamten am 10. September plötzlich ihre Reisepläne für den nächsten Morgen absagten.« Und ob sie fragte, warum, angesichts der zahlreichen sehr spezifischen Berichte vor dem 8. September, die NSA die vom 8. bis 10. September abgefangen Warnungen nicht übersetzt und weitergeleitet hat – in anderen Worten, ob die Behauptung, sie hätten es nicht getan, wirklich glaubwürdig ist.
Jedenfalls schlussfolgert Ahmed, der sich auf Condoleezza Rice' Aussage bezieht, dass US-Beamte im Voraus keine spezifischen Informationen über die Angriffe hatten, dass diese »offenkundig falsch« ist.44 Michel Chossudovsky, der sich auf die Diskussion bezieht, ob die Mitglieder der Bush-Regierung im Voraus von den Anschlägen wusste, sagt: »Natürlich wussten sie es!« – und fügt hinzu, dass »das amerikanische Volk bewusst und vorsätzlich getäuscht wurde.«45 Kritiker der offiziellen Version haben sicherlich Beweise dafür vorgelegt, die diese Schlussfolgerung zu untermauern scheinen. Das Material in diesem Kapitel liefert zumindest weitere Beweise gegen die ersten zwei der möglichen Ansichten, wonach US-Geheimdienste keine spezifischen Informationen über die Angriffe hatten. Einige dieser Beweise scheinen darüber hinaus die ersten sechs Ansichten auszuschließen, laut denen zumindest im Weißen Haus keine speziellen Kenntnisse über die bevorstehende Angriffe vorlagen. Alle Ansichten außer der siebten und achten scheinen dementsprechend ausgeschlossen zu sein, soweit die in diesem Kapitel zusammengefasst Beweise eine weitergehende Überprüfung bestehen.
Die gesamte Beweislage der Regierungsbeteiligung wird noch zwingender, so glauben Kritiker der offiziellen Version des 11. September, wenn man die Beweise dafür hinzunimmt, dass US-Beamte aktiv die Untersuchungen behinderte, die den Terrorplan hätten aufdecken können.
© David Ray Griffin
Oliver Bommer (deutsche Übersetzung)
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