10. Kapitel: Die Notwendigkeit einer umfassenden Untersuchung
Das neue Pearl Harbor - Band 1
Beunruhigende Fragen zur Bush-Regierung und zum 11. September
Teil 3: Schlussfolgerungen
10. Kapitel
Die Notwendigkeit einer umfassenden Untersuchung
Ich habe dafür argumentiert, dass unsere »Vierte Macht« eine gründliche Untersuchung der Art von Informationen durchführen muss, die dieses Buch zusammengefasst hat. Es ist üblich, dass die Presse den Weg für eine offizielle Untersuchung vorgibt. Aber letztlich wird die offizielle Untersuchung die entscheidende sein. Wenn man sich überlegt, welche Art von Untersuchung jetzt erforderlich ist, wird es hilfreich sein, die offiziellen Untersuchungen zu überprüfen, die bisher genehmigt wurden, und die Hindernisse, die ihnen die Bush-Regierung in den Weg gelegt hat.
Die Joint Inquiry
Wie wir gesehen haben, führten die Geheimdienst-Ausschüsse des US-Senats und des Repräsentantenhauses im Jahr 2002 eine Gemeinsame Untersuchungskommission (Joint Inquiry) durch. Wie wir aber ebenfalls gesehen haben, gibt es viele Gründe, den Bericht dieser Untersuchungskommission als mangelhaft zu erachten. Zum Beispiel gelangt sie zu dem Schluss, dass die US-Geheimdienste nicht nur keine spezifischen Informationen über bevorstehende Anschläge hatten, sondern nicht einmal Angriffe innerhalb der Vereinigten Staaten erwarteten. Der Bericht legt nahe, dass Bundesbehörden schuld daran waren. Tatsächlich wurde der Bericht von der Presse als »vernichtende Anklage« der Geheimdienste beschrieben. Aber die genannten Probleme – unter anderem unzureichende Kommunikation zwischen den Behörden, das Versagen, recht offensichtliche Schlüsse zu ziehen und Warnungen mit der ausreichender Ernsthaftigkeit zu begegnen – passen alle zur Inkompetenz- und Zufallstheorie.
Angesichts der in diesem Buch zusammengefassten Beweise ist die zugrunde liegende Schwäche der Gemeinsamen Untersuchungskommission, dass ihre Mitglieder offenbar von Anfang einfach von der Tatsache ausgingen, dass es keine vorsätzliche Mittäterschaft gab, was durch die Tatsache illustriert wird, dass die Aussagen der verschiedenen Zeugen offenbar für bare Münze genommen wurden. Zum Beispiel sagten NSA-Beamten aus, sie hätten die spezifischen Warnungen, die zwischen dem 8. und 10. September abgefangen wurden, erst nach den Anschlägen übersetzt – diese Aussage wurde einfach als Wahrheit akzeptiert. Als Beamte im FBI-Hauptquartier sagten, dass sie die FISA-Standards für die Ausstellung eines Haftbefehls missverstanden hätten, wurde diese Zeugenaussage als Wahrheit akzeptiert, trotz der Hinweise auf absichtliche Sabotage.
Es gibt mehrere mögliche Erklärungen für die Unzulänglichkeit der Gemeinsamen Untersuchungskommission. Eine ist, dass eine gründliche Untersuchung der vielen von Kritikern der offiziellen Darstellung erhobenen Fragen einfach weit mehr Zeit und Ressourcen in Anspruch genommen hätte, als dieser Kommission gewährt wurde, die Berichten zufolge nur neun öffentliche Anhörungen und dreizehn geschlossene Sitzungen umfasste.
Aber es gibt auch Gründe zu glauben, dass Einschüchterung den investigativen Eifer einiger Mitglieder gedämpft haben könnte. Thompson zitiert einen Bericht, nachdem FBI-Agenten im August 2002 fast alle 37 Mitglieder des Geheimdienstausschusses des Senats und des Repräsentantenhauses zu Informationslecks mit Bezug zum 11. September befragt hatten. Die Agenten forderten sogar, dass sich die Senatoren und Abgeordneten einem Lügendetektortest unterzögen und Telefonaufzeichnungen und Terminkalender aushändigten. Ein Jura-Professor kommentierte diese Forderung folgendermaßen: »Es schafft eine große abschreckende Wirkung auf diejenigen, die dem FBI kritisch gegenüberstehen.«1 Einige Senatoren und Repräsentanten äußerten tiefe Besorgnis über die Verletzung der Gewaltenteilung, so Senator John McCain: »Hier handelt es sich um eine Organisation, die Akten über Personen erstellt, die genau diese Organisation untersuchen.« Das FBI, so ein anderer Senator, »versucht, unseren Aktivitäten einen Dämpfer zu verpassen, und ich denke, sie werden erfolgreich sein.«2
Jenseits der Probleme bei der Gemeinsamen Untersuchungskommission stellt sich die größere Frage, warum der Kongress nicht unverzüglich eine vollständige Untersuchung des 11. September unternahm. Die Zuweisung der Aufgabe an die Geheimdienstausschüsse impliziert einfach, dass bereits klar war, dass der Erfolg der Anschläge des 11. September nichts anderes als das Ergebnis des Versagens der Geheimdienste war. Eine umfassendere Untersuchung war offensichtlich nicht vorgenommen worden, weil die Kongressführer dem Ersuchen des Weißen Hauses nachgaben, den Umfang ihrer Untersuchung einzuschränken. Sowohl Präsident Bush als auch Vizepräsident Cheney baten Berichten zufolge in persönlichen Appellen den Mehrheitsführer im Senat, Tom Daschle, »darum, dass nur die Geheimdienstausschüsse des Senats und Repräsentantenhauses Einblicke in die möglichen Pannen bei Bundesbehörden bekommen sollten, die die Terroranschläge zuließen, anstelle einer umfassenderen Untersuchung, die einige Abgeordnete vorgeschlagen hatten.« Bush und Cheney machten diesen Antrag, so behaupteten sie, weil eine breitere Untersuchung Ressourcen und Personal »vom Krieg gegen den Terrorismus« abziehen würde.3 In Anbetracht der Tatsache, dass Bush und Cheney aktuell zu den Hauptverdächtigen gerechnet werden müssen, wäre es natürlich problematisch, wenn ihnen gestattet wurde, die Ursache der Anschläge des 11. September festzustellen – dass es »Pannen« waren und keine »Tatbeteiligung« – und damit den Umfang der Untersuchung durch die Volksvertreter zu begrenzen. Normalerweise erlauben wir Verdächtigen in einem Ermittlungsverfahren nicht, solche Entscheidungen zu treffen.
Trotz all dieser Probleme war die Arbeit der Gemeinsamen Untersuchungskommission nicht vergebens. Sie bot genug schädliche Enthüllungen, um Präsident Bush, nachdem er sich lange gegen die Schaffung einer speziellen Stelle für die Untersuchung gesträubt hatte, kaum eine andere Wahl zu lassen als die Schaffung der 'Nationalen Kommission zu den Terroranschlägen auf die USA', die informell als Unabhängige 9/11-Kommission bekannt wurde.4
Die Unabhängige 9/11-Kommission
Obwohl es gut war, dass diese Kommission endlich aufgestellt wurde, war sie ebenfalls mit Problemen durchsetzt. Dazu gehört, dass ihr die Bush-Regierung von Anfang an Hindernisse in den Weg stellte. Ein direktes Hindernis war die sehr geringe von der Regierung bewilligte Finanzierung. Im Januar 2003 wurden der Kommission lediglich drei Millionen Dollar zugewiesen – während 1996 eine Regierungskommission zur Untersuchung des legalisierten Glücksspiels fünf Millionen Dollar erhielt.5 Im März 2003 berichtete das Time-Magazin, die Kommission habe die Bush-Regierung um weitere elf Millionen Dollar gebeten, was aber abgelehnt wurde. Ein Kommissionsmitglied wies daraufhin, dass der Antrag keinesfalls übertrieben war, und merkte an, dass der Kommission zur Katastrophe der Raumfähre Columbia 50 Millionen Dollar zur Verfügung standen. Stephen Push, ein Sprecher der Familien der Opfer, sagte, diese Ablehnung suggerierte, dass die Bush-Regierung dies »als eine bequeme Möglichkeit ansieht, die Kommission zum Scheitern zu bringen. Sie haben die Kommission nie gewollt und ich spüre, dass das Weiße Haus die ganze Zeit nach einem Weg suchte, um sie zu killen, ohne ihre Finger direkt am Auslöser zu haben.«6 Erst nach längerer Zeit wurde die zusätzliche Finanzierung schließlich genehmigt.
Ein weiteres Hindernis war, dass das Mandat der Kommission zwar vorgab, die Arbeit bis Mai 2004 abzuschließen, die Bush-Regierung sehr langsam bei der Ausstellung der erforderlichen Sicherheitsfreigaben für das Personal der Kommission war. Zum Beispiel hatte sogar Slade Gorton, ein ehemaliger republikanischer US-Senator mit viel Erfahrung in Geheimdienstfragen bis zum 12. März 2003 noch keine Sicherheitsfreigabe erhalten, weshalb der ehemalige demokratische Kongressabgeordnete Lee Hamilton, Vizevorsitzender der Kommission, sagte: »Es ist schon erstaunlich, dass jemand wie Senator Gorton keine sofortige Freigabe erhalten kann.«7 Aufgrund dieser Verzögerungen hatte die Kommission zu der Zeit, als sie schließlich in der Lage war, ihre Arbeit Mitte 2003 zu beginnen, weniger als ein Jahr für die Durchführung ihrer Arbeit zur Verfügung.
Ein weiteres Hindernis waren Schwierigkeiten beim Zugang zu benötigten Dokumenten und Zeugen. Obwohl diese Kommission den Abschlussbericht der Gemeinsamen Untersuchungskommission als Ausgangspunkt verwenden sollte, gab die Bush-Regierung den Bericht erst spät, nicht vor Juli 2003 freigegeben wurde. Auch beschwerte sich der Vorsitzenden der Kommission, Thomas H. Kean, kurz vor der Veröffentlichung des Berichts, dass das Justizministerium und andere Bundesbehörden Dokumente zurückhielten, was sie offensichtlich nicht getan hätten, wenn sie das Weiße Haus beauftragt hätte, sie auszuhändigen. Kean beklagte außerdem, dass Bundesbehörden darauf bestanden, »Aufpasser« dabei zu haben, wenn einer ihrer Mitarbeiter als Zeuge aussagen sollte, was Kean (verständlicherweise) als Versuch interpretierte, diese Mitarbeiter einzuschüchtern. Auch gab das Weiße Haus zu verstehen, dass der Präsident selbst keine Zeugenaussage machen würde, zumindest nicht unter Eid.
In Anbetracht der enormen Menge an Fragen zum 11. September reichten diese Hindernisse wahrscheinlich für sich aus, um die Kommission zu hindern, definitive Antworten auf die meisten Fragen zu geben, selbst wenn sie in der verbleibenden Zeit die unabhängigste und aggressivste Untersuchung durchgeführt hätte. Tatsächlich sagte im Oktober 2003 ein Mitglied der Kommission, der ehemalige Senator Max Cleland, dem New York Times-Reporter Philip Shenon, die Kommission könne ihre Arbeit nicht bis Mai 2004 abschließen und fügte hinzu: »Es ist offensichtlich, dass das Weiße Haus hier auf Zeit spielt. … Wir verhandeln noch mit einigen Beratern des Weißen Hauses, um diese Dokumente zu bekommen – es ist widerlich.« Obwohl Cleland Demokrat ist, war diese Haltung laut Shenon parteiübergreifend, wobei sich Slade Gorton ebenfalls beschwerte, dass die »mangelnde Kooperation« es der Kommission »sehr schwierig« machte, ihre Arbeiten fristgerecht abzuschließen.8
Die von der Bush-Regierung geschaffenen Hindernisse waren jedoch nicht das einzige Problem. Ein weiterer Grund für Zweifel daran, dass der Kommissionsbericht viele Fragen beantworten würde, war, dass die Leiter der Kommission ihre Aufgabe als eng begrenzt ansahen: »Der Schwerpunkt der Kommission wird auf der Zukunft liegen«, sagte Vizepräsident Hamilton. »Wir sind nicht daran interessiert zu versuchen, Schuld zu beurteilen, und halten dies nicht für einen Teil der Verantwortung der Kommission.«9 Mit anderen Worten näherte sich die Kommission offenbar ihrer Aufgabe, indem sie einfach die Inkompetenztheorie als richtig ansah, so dass die Frage der offiziellen Täterschaft nicht einmal untersucht wurde. Hamiltons Worte schienen in der Tat zu implizieren, dass die Kommission nicht einmal Schuld im Sinne von Inkompetenz beurteilen würde. Mit der Aussage, dass der Schwerpunkt der Kommission »auf der Zukunft liegen wird«, verwies Hamilton offensichtlich darauf, sich strikt auf die Frage zu beschränken, sicherzustellen, dass ein »Zusammenbruch« nicht wieder passiert.
Nun, wo wir die von den Kritikern der offiziellen Darstellung erhobenen Fragen vor uns haben, zusammen mit der darin impliziten alternativen Theorie, erkennen wir die Absurdität eines solch begrenzten Mandats. Jede Erklärung, wie die Anschläge des 11. September stattgefunden haben könnten, setzt entweder eine Tatbeteiligung auf der höchsten Ebene der US-Regierung voraus oder einen beispiellosen systemweiten Zusammenbruch der Fähigkeit dieses Landes, sich vor einer sehr groben Form von Angriffen zu schützen – und dies trotz der Tatsache, dass ein großer Teil des Billionen-Dollar-Budgets unserer Nation jährlich in die »Verteidigung« und die »Geheimdienste« fließt. Angesichts der anscheinend erzwungenen Wahl zwischen diesen beiden Erklärungen, wäre das Versäumnis der Kommission, Schuld zu ermitteln, eine enorme Pflichtverletzung. Wir brauchen eine Untersuchung, die versucht, die Schuld dort zu suchen, wo sie hingehört. Wir brauchen außerdem eine Untersuchung, die nicht davor zurückschreckt zu fragen, ob der 11. September sich eher aus amtlicher Tatbeteiligung ergab als nur aus massiver Inkompetenz.
Um fair gegenüber Hamilton und den anderen Mitgliedern zu sein, muss hinzugefügt werden, dass der Kommission ihre begrenzte Reichweite möglicherweise auferlegt wurde. Ich habe Berichte gelesen, dass Präsident Bush der Unabhängigen 9/11-Kommission nur unter der Bedingung zugestimmt hat, wenn der Umfang auf die Frage begrenzt würde, wie ähnliche Zusammenbrüche in Zukunft verhindert werden könnten – mit anderen Worten, unter der Bedingung, dass die Kommission nur dem Namen nach unabhängig wäre und nicht frei, selbst Art und Umfang der Untersuchung zu bestimmen.
In jedem Fall und unabhängig davon, wie sich das Mandat der Kommission ergab, verband der Präsident seine Genehmigung einer solchen Kommission mit der Bedingung, dass er ihren Vorsitzenden einsetzen durfte.10 Bushs erste Wahl, die viele Beobachter unglaublich fanden, war Henry Kissinger. Es gab eine weit verbreitete Skepsis über Kissingers Fähigkeit, die Kommission auf eine unabhängige und unparteiische Weise zu führen.11 »In der Tat«, so die New York Times, »ist es verlockend zu fragen, ob die Wahl von Herrn Kissinger nicht ein geschicktes Manöver des Weißen Hauses ist, eine Untersuchung einzudämmen, gegen die sie sich lange gesträubt hat.«12 Skepsis gegenüber Kissingers Vermögen einer unabhängigen Untersuchung basierte zum Teil auf Berichten über mögliche Interessenkonflikte, zu denen ihn das Weiße Haus nachweislich nicht befragt hatte. Kissinger hatte riesige Beratungshonorare von Unternehmen mit hohen Investitionen in Saudi-Arabien erhalten.13 Und selbstverständlich hat Saudi-Arabien Berichten zufolge viele der Entführer des 11. September unterstützt und war laut John O’Neill und anderen Geheimdienstlern al-Qaidas primäre und ständige Quelle von Unterstützung. Über Kissingers Beziehung zu Unocal – der Ölgesellschaft mit Plänen für eine Pipeline durch Afghanistan – wurde ebenso berichtet.14 Das offensichtliche Problem ist hierbei, dass die Anschläge des 11. September die Grundlage für einen Krieg in Afghanistan lieferten, nach dem die Vereinigten Staaten eine Marionettenregierung installierten, die von einem ehemaligen Unocal-Mitarbeiter angeführt wurde, und Militärbasen entlang der vorgeschlagenen Route für die Pipeline platzierten. Die Tatsache, dass Präsident Bush jemanden einsetzen wollte, dem finanzielle Verbindungen sowohl zu Unocal als auch zu Saudi-Arabien unterstellt wurden, zeigt, um es gelinde auszudrücken, dass die Unparteilichkeit des Vorsitzenden der Kommission nicht sein Hauptanliegen war. Bush erklärte in der Tat, dass Kissinger nicht verpflichtet sei, seine Geschäftskunden offenzulegen. Der Congressional Research Service verlangte aber etwas anderes, und so trat Kissinger stattdessen zurück.15
Erst nach diesem Debakel wurde Thomas Kean Vorsitzender. Kean, ehemaliger Gouverneur von New Jersey, war zum Zeitpunkt seiner Ernennung Präsident der Drew University. Weil er seine Tätigkeit als Hochschulpräsident fortsetzen wollte, hätte Kean nur begrenzte Zeit gehabt, um sich der Kommission zu widmen. Kritiker beschwerten sich ferner über mögliche Interessenkonflikte, wobei das Hauptproblem seine Mitgliedschaft im Aufsichtsrat von Amerada Hess war, einer weiteren Ölgesellschaft mit umfangreichen Investitionen in Zentralasien. Amerada Hess hatte sich darüber hinaus mit der saudi-arabischen Delta Oil verbunden – einer der Firmen des CentGas-Konsortiums – um Hess-Delta zu bilden.16 Alle anderen Mitglieder des Kommission hatten darüber hinaus Berichten zufolge mindestens einen möglichen Interessenkonflikt.17
Problematisch ist auch die Tatsache, dass Präsident Bush Philip Zelikow als Geschäftsführer der Kommission ernannte, der zutiefst mit der Bush-Regierung verwickelt war. Er war kurz nach dem 11. September in Bushs Beratungsgremium für Auslandsnachrichtendienste berufen worden. In der Regierungszeit von Bush Senior arbeitete er zusammen mit Condoleezza Rice im Nationalen Sicherheitsrat und später an einem Buch.18 Stephen Push, einer der Gründer der ‚Familien des 11. September‘, äußerte sich zu dem Problem, »Kommissionsmitglieder und Mitarbeiter zu finden, die wirklich unabhängig sind.« Er gab zu verstehen, dass ihm unwohl dabei war, »dass Philip Zelikow eine so enge Beziehung zu Rice und anderen Personen hat, die die Kommission untersuchen soll.«19 Das Family Steering Committee for the 9/11 Independent Commission (Lenkungsausschuss der Familien für die Unabhängige 9/11-Kommission) hat Zelikow dann auch zum Rücktritt aufgefordert.20
In Anbetracht der Ausstattung der Kommission haben Personen, die sich dieser Probleme bewusst sind, den begründeten Verdacht, dass jegliche Beweise für die Beteiligung der Bush-Regierung an den Ereignissen des 11. September nicht unparteiisch und gründlich untersucht würden. Mehrere gute Leute wurden in die Kommission berufen und verschiedene Fragen wurden einer Reihe von Unterausschüssen mit fähigen und engagierten Mitarbeiter zugewiesen. Berichte weisen daraufhin, dass diese Unterausschüsse unter Keans Gesamtleitung etwas über den begrenzten Umfang hinausgingen, den Hamiltons Aussage ursprünglich nahelegte. Aber offenbar nicht sehr weit: selbst noch im Oktober des Jahres 2003 schien ein Zitat eines Mitglieds der Kommission darauf hinzuweisen, dass ihre wichtigste Aufgabe ist, »Empfehlungen für die Zukunft zu geben.«21
Trotzdem führte die fortgesetzte Blockadepolitik des Weißen Hauses und verschiedener Behörden dazu, dass Statements von Kean nahelegten, dass er hartnäckig Beweise sammeln würde, die die Bush-Regierung und Behörden versuchten zurückzuhalten. Im gleichen Monat ließ die Kean-Kommission tatsächlich die FAA vorladen und fügte hinzu, dass diese Vorladung »andere Behörden in Kenntnis setzen würde, dass unsere Anfragen nach Dokumenten so ernst genommen werden müssen wie eine Vorladung.«22 Er sagte in einem Interview auch, dass er notfalls bereit wäre, das Weiße Haus selbst vorzuladen. In seiner stärksten Aussage bis zu diesem Punkt sagte Kean:
Kein Dokument, das mit dieser Untersuchung zu tun hat, darf uns unzugänglich bleiben. … Ich werde dies [eine Blockade] nicht dulden. … Wir werden alle in unserer Macht stehende Mittel nutzen, um jedes Dokuments bekommen. … Es gibt eine Menge Theorien zum 11. September und solange es da draußen noch Dokumente gibt, die sich auf eine dieser Theorien beziehen, werden wir Fragen unbeantwortet lassen. Und wir können keine Fragen unbeantwortet lassen.
Angenommen, Kean meinte es wirklich ernst, die verschiedenen »Theorien« ernst zu nehmen und alle verfügbaren relevanten Dokumente zu bekommen, war es möglich, dass die Kommission Beweise aufdecken würde, dass der 11. September eher durch Mittäterschaft als durch Inkompetenz geschah. Auf diese Möglichkeit wies auch Max Clelands Aussage hin: »Mit jedem Tag, der vergeht, erfahren wir, dass diese Regierung vor dem 11. September eine ganze Menge mehr über diese Terroristen wusste, als sie jemals zugegeben hat.«23
Aber es war auch möglich, ja sogar wahrscheinlich, dass dies nicht passieren würde. Und unabhängig von der Beurteilung von Keans Integrität bleibt die Tatsache, dass er von Präsident Bush ernannt wurde. Zum Zeitpunkt, als die Kommission ausgewählt wurde, waren die Beweise, die auf eine Komplizenschaft der Bush-Regierung hinwiesen, selbstverständlich nur sehr wenigen Menschen bekannt, so dass Zustimmung zu Bushs Beharren, den Kommissionsvorsitzenden zu benennen, offenbar nicht völlig absurd schien. Aber dadurch, dass sich das Wissen über die Beweise weit verbreitete, wird die Tatsache, dass Bush den Vorsitzenden ernannte, den Verdacht erregen, dass er wie ursprünglich Kissinger ausgewählt wurde, um die Untersuchung einzuschränken.
Solch ein Verdacht könnte unangebracht sein, zumindest wenn es darum geht, dass Kean aus Loyalität zu seiner Partei und zum Präsidenten Beweise für eine Mittäterschaft bewusst verbergen würde. Obwohl Kean wie der Präsident ein Republikaner ist, ist er »ein moderater Republikaner, der für seine Unabhängigkeit bekannt ist«24 und sich Berichten zufolge weigerte, für den US-Senat zu kandidieren, weil er mit der Richtung, die seine Partei eingeschlagen hat, nicht einverstanden war. Möglicherweise fiel die Wahl des Präsidenten auf ihn als Ersatz für Kissinger, nicht weil er fast so zuverlässig wäre, sondern weil die Regierung keine weitere Peinlichkeit riskieren wollte.
Trotzdem würde, weil Kean wie Zelikow durch den Präsidenten ernannt wurde, ein Bericht der Kommission, der Präsident Bush und seine Regierung von allem Fehlverhalten entlasten würde, bei denjenigen den Verdacht einer Vertuschung erregen, die Fragen wie die in diesem Buch aufgeführten kennen – selbst wenn dies nur am Nicht-Ausüben des nötigen Drucks läge, um wahrheitsgemäße Zeugenaussagen und den Zugang zu benötigten Unterlagen zu erlangen.
Diese Art von Fehler wurde wohl dadurch gezeigt, dass Kean im November 2003 den Beschränkungen zustimmte, die das Weiße Haus hinsichtlich der Geheimdienstberichte für den Präsidenten forderte, die als PDBs (Presidential Daily Briefs, tägliche Briefings für den Präsidenten) bekannt sind. (Ein Beispiel wäre das PDB vom 6. August 2001, in dem sich das in Kapitel 5 diskutierte britische Geheimdienst-Memo befindet, das nachweislich darauf hinwies, dass Terroristen planten, entführte Flugzeuge als Raketen zu benutzen, um Ziele innerhalb der Vereinigten Staaten zu treffen.) Mit der von Kean akzeptierten Vereinbarung wurde dem Weißen Haus gestattet, diese Briefings zu überarbeiten und erst dann an die Kommission weiterzuleiten. Selbst dann wurde nur ein paar Mitgliedern der Kommission gestattet, diese überarbeiteten Briefings einzusehen. Diese durften dann nur Notizen zu diesen überarbeiteten Briefings machen und mussten sie zuerst dem Weißen Haus vorlegen.25 Cleland beschrieb die getroffene Vereinbarung wie folgt:
Eine Minderheit der Kommissionsmitglieder ist in der Lage, die Minderheit der [PDB-]Dokumente einzusehen, von denen das Weiße Haus sagte, sie seien sachdienlich. Und dann muss eine Minderheit der Kommissionsmitglieder dem Rest der Kommissionsmitglieder eine Zusammenfassung geben, von der das Weißen Haus denkt, sie sei angemessen. … Aber sie müssen erst einmal dem Weißen Haus berichten, was sie den anderen Kommissionsmitglieder erzählen werden.26
Diese Vereinbarung bedeutet, fuhr Cleland fort, dass die Kommissionsmitglieder nicht in der Lage sind, »ihre Verpflichtung dem Kongress und dem amerikanische Volk gegenüber zu erfüllen.« Während die Kommissionsmitglieder Zugang zu allen Dokumenten bekommen müssen, die sie brauchen, »pickt sich der Präsident der Vereinigten Staaten noch die Rosinen heraus, also welche Informationen welcher Minderheit der Kommissionsmitglieder zu zeigen sind« – eine Situation, die Cleland als »lächerlich« bezeichnet.
Diese Entscheidung führte zur ersten öffentlichen Spaltung innerhalb der Kommission. Cleland, ein Demokrat, nannte die Vereinbarung ein »schlechtes Geschäft« und fügte hinzu:
Diese unabhängige Kommission sollte unabhängig sein und sollte keine Vereinbarungen mit irgendjemandem treffen. … Ich glaube nicht, dass irgendeine unabhängige Kommission sich von einer Behörde oder dem Weißen Haus diktieren lassen kann, wie viele Kommissionsmitglieder was zu sehen bekommen. … Wir sollten nicht verhandeln. Wenn jemand verhandeln will, lassen wir ihn zwangsvorladen.
In seiner stärksten Anklage sagte Cleland: »Diese Entscheidung gefährdet die Mission der 9/11-Kommission – schlicht und einfach.«27 Ein anderer Demokrat, Timothy Roemer, lehnte diese Entscheidung ebenso ab und beschwerte sich, dass das Weiße Haus »nur zwei oder drei Absätze aus einem neunseitigen Bericht« weitergeben würde und dadurch zuließ, alle entscheidenden Beweise zu verstecken.
Diese Entscheidung wurde auch vom 'Lenkungsausschuss der Familien für die Unabhängige 9/11-Kommission' als »inakzeptabel« bezeichnet, der erklärte: »Die Kommission muss der amerikanischen Öffentlichkeit eine Erklärung geben, die vollständig erklärt, warum diese Vereinbarung getroffen wurde, statt die CIA und ihre ausführenden Organe vorzuladen.« Sprecherin Kristen Breitweiser fügte hinzu: »Dies ist eine unabhängige Kommission, die eigentlich transparent sein sollte.«28
Angesichts dieser Entwicklungen sollte nun jeder, auch diejenigen, die den Präsident und seine Regierung inbrünstig von jedem Verdacht einer Mitschuld an den Ereignissen des 11. September befreit sehen wollen, die Autorisierung einer umfassenden Untersuchung unterstützen, die von jemandem, vielleicht einem Sonderstaatsanwalt, angeführt wird, dessen Unabhängigkeit kaum bezweifelt werden kann.29 Dies sollte jeder unabhängig von den Ergebnissen der Unabhängigen 9/11-Kommission bevorzugen. Das heißt, wenn die Kommission zum Schluss kommt, dass es eine Mittäterschaft der Bush-Regierung gab oder zumindest gegeben haben könnte, würde diese Schlussfolgerung ziemlich offensichtlich die Ernennung eines besonderen Staatsanwalts erfordern. Wenn die Kommission dagegen bestreitet, dass es irgendeine Mitschuld gab, möglicherweise indem sie die Frage noch nicht einmal stellt, wäre eine neue Untersuchung aus dem oben genannten Grund erforderlich – nämlich, dass ein weit verbreiteter Verdacht existiert, dass die Bush-Regierung durch ihre Auswahl des Vorsitzenden und des Direktors zusammen mit ihrer Blockadepolitik verhinderte, dass die Wahrheit aufgedeckt würde.30
Aktuelle Ereignisse
Nachdem das Manuskript dieses Buchs im Wesentlichen fertig war, ereigneten sich mehrere Vorkommnisse, die die Notwendigkeit einer neuen Untersuchung noch deutlicher machten. Diese Ereignisse betreffen verschiedene Veröffentlichungen, zwei Präsidentschaftskandidaten, eine Klage und die Unabhängige 9/11-Kommission.
Veröffentlichungen: Mehrere neuere Veröffentlichungen, die wie dieses Buch Fragen aufwerfen, lassen vermuten, dass diese beunruhigenden Fragen weit davon entfernt sind zu verschwinden und auch weiterhin aufgeworfen werden, bis es glaubwürdige Antworten gibt.
Eine dieser Publikationen war ein Guardian-Artikel des ehemaligen britischen Umweltministers Michael Meacher im September 2003. Er machte deutlich, dass das vom Projekt für das Neue Amerikanische Jahrhundert (PNAC) herausgegebene Dokument aus dem Jahr 2000 besagt, dass es schwierig würde, seine Agenda ohne »ein neues Pearl Harbor« zu implementieren. Er meinte, dass dieses Dokument »eine viel bessere Erklärung dessen bietet, was vor, während und nach dem 11. September tatsächlich passiert ist, als die These eines ‚globalen Kriegs gegen den Terror‘.« Im Hinblick auf Ereignisse vor dem 11. September schrieb er, dass »die US-Behörden wenig oder gar nichts taten, um die Ereignissen des 11. September zu verhindern«, obwohl »mindestens 11 Länder die USA vorab vor den Anschlägen des 11. September gewarnt hatten.«31 In Bezug auf den 11. September selbst sagte er, dass mit allen Vorwarnungen, die Amerika vorlagen, die langsame Reaktion »erstaunlich« war.
Nicht ein einziges Kampfflugzeug wurde zur Aufklärung von der US-Andrews Airforce Base losgeschickt, die lediglich 16 km von Washington DC entfernt ist, bevor das dritte Flugzeug um 9.38 Uhr das Pentagon traf.32 Warum nicht? Es gab auch vor dem 11. September Standard-FAA-Abfangverfahren für entführte Flugzeuge. … Es ist laut US-Recht eine Pflicht, dass, sobald ein Flugzeug signifikant vom der Flugroute abweicht, Kampfflugzeuge zur Klärung aufsteigen müssen.
Meacher stellte dann die entscheidende Frage:
War diese Untätigkeit einfach die Folge davon, dass Schlüsselpersonen die Hinweise missachteten oder nicht kannten? Oder könnten die Luftsicherheitsmaßnahmen am 11. September absichtlich außer Kraft gesetzt worden sein? Wenn ja, warum und auf wessen Veranlassung?
Meacher zitierte daraufhin den ehemaligen US-Bundesstaatsanwalt John Loftus mit den Worten:
Die von europäischen Geheimdiensten vor dem 11. September gelieferten Informationen waren derart umfangreich, dass es für die CIA oder das FBI nicht mehr möglich ist, sich weiterhin durch Inkompetenz zu verteidigen.
Im Hinblick auf die amerikanische Reaktion nach dem 11. September, sagte Meacher, dass
der 11. September einen äußerst bequemen Vorwand bot, den PNAC-Plan in die Tat umzusetzen.33
Meachers Artikel rief viele Reaktionen hervor. Die Art einiger Reaktionen spiegelt die Überschrift eines Artikels von Ewen MacAskill, dem Guardian-Redakteur für internationale Politik, wider: »Fury Over Meacher Claims« (‚Wut über Meachers Behauptungen‘).34 Wie MacAskill berichtete, sagte ein Sprecher der US-Botschaft in London:
Mr. Meachers fantastische Behauptungen – insbesondere seine Behauptung, dass die US-Regierung wissentlich untätig blieb, während Terroristen rund 3.000 Unschuldige in New York, Pennsylvania und Virginia töteten – wäre ungeheuerlich und ungeheuerlich beleidigend, wenn sie von einer ernsthaften oder glaubwürdigen Person kämen.
Mit dem Aufstellen solcher »phantastischen Behauptungen« könnte Meacher weder als ernsthaft noch als glaubwürdig abgetan werden, obwohl er mehrere Jahre britischer Umweltminister war (und als solcher etwas über interne Diskussionen zur kommenden Ölknappheit gewusst hätte). Ebenso ablehnend war ein Artikel in der Londoner Sunday Times, der schrieb, Meacher »taumle in der Twilight Zone.«35
Zugleich rief Meachers Artikel eine bemerkenswerte Menge Unterstützung hervor. Ein Leserbrief aus Amerika sagte: »Es ist mir klar, dass die den Vertretern meiner Regierung zugeschriebene ‚Wut‘ aus ihrem Erkenntnis stammt, dass seine Ansichten empfindliche Stellen treffen.« Ein weiterer Amerikaner schrieb: »Bitte lassen Sie Mr. Meacher wissen, dass es trotz des Aufheulens der Empörung und Ablehnung über seine ehrliche Analyse viele von uns gibt, die seit langer Zeit zur gleichen Schlussfolgerung gekommen sind. Meine Dankbarkeit gilt dem Guardian für seinen Mut, sie zu veröffentlichen.« Ein Verfasser aus England sagte: »Hut ab vor Mr. Meacher dafür, dass er als erster prominenter britischer Politiker sagt, was viele schon lange wissen. Aber wann werden weitere hochrangige Labour-Mitglieder den Mut haben, ihn zu unterstützen?«36
Auf jeden Fall schrieb Meacher eine Woche später, vielleicht um sowohl die Unterstützung als auch Herabwürdigung abzulehnen, die er erhalten hatte, einen zweiten Brief, der wie folgt begann:
Im Gegensatz zu einigen vorsätzlichen Fehldarstellungen meines Artikels sagte ich an keiner Stelle und habe es nie gesagt, dass die US-Regierung die Anschläge des 11. September stillschweigend geduldet oder sie bewusst stattfinden ließ. Es muss kaum gesagt werden, dass ich nicht glaube, dass irgendeine Regierung sich verschwören würde, um eine solche Gräueltat zu verursachen.37
Er hätte lediglich, behauptete er, argumentiert, dass die US-Regierung den 11. September als Vorwand zur Erfüllung ihrer bereits formulierten Agenda für Irak und in Afghanistan genutzt hatte.
Allerdings kann angesichts von Meachers Frage, ob US-Sicherheitskräfte »vorsätzlich untätig blieben«, und seiner Ablehnung einer auf »Inkompetenz« basierenden Verteidigung, Lesern sicherlich der Gedanke vergeben werden, er hätte eine offizielle Täterschaft behauptet.38 Aber selbst wenn man Meachers Aussage akzeptiert, dass sein ursprünglicher Artikel nicht dazu gedacht war, »eine Verschwörungstheorie nahezulegen«, bleibt seine zentrale Aussage bestehen – dass das Scheitern der US-Regierung, zufriedenstellende Antworten auf die aufgeworfenen Fragen zu geben, »denjenigen genügend Munition geliefert hat, die dies tun.« Dementsprechend weist sein Artikel, zusammen mit den positiven Reaktionen, auf die zunehmende Einsicht hin, dass wir eine Untersuchung benötigen, die diese Fragen beantwortet.
Kurz nach der Meacher-Aufregung erschien ein Artikel auf der Titelseite des Wall Street Journal mit dem Titel »Conspiracy Theories About September 11 Get Hearing in Germany« (Verschwörungstheorien über den 11. September finden Gehör in Deutschland).39 Während dieser Artikel darauf hinwies, dass Bücher, die solche Theorien enthalten, auch in Frankreich, Italien und Spanien Bestseller sind, schrieb er, dass diese Bücher besonders gut in Deutschland angenommen wurden, wo eine aktuelle Meinungsumfrage zeigte, dass 20 Prozent der Bürger glauben, dass »die US-Regierung die Anschläge selbst in Auftrag gegeben hat.« Dieser Artikel konzentrierte sich insbesondere auf ein Bestseller-Buch von Andreas von Bülow.40 Neben dem Hinweis darauf, dass von Bülow lange Zeit Mitglied des Parlaments und zuvor »einer der höchsten Beamten im westdeutschen Verteidigungsministerium war«, fügte dieser Artikel hinzu, dass sein Buch von »einem der renommiertesten Verlage des Landes herausgegeben wurde.«
Ian Johnson, der Autor des Artikels, meinte, dass Deutschland besonders offen für Verschwörungstheorien zum 11. September mit ihren »unwahrscheinlichen und ungeheuerlichen Behauptungen« ist, weil Deutschland der amerikanischen Außenpolitik zunehmend feindlich gegenübersteht. Johnsons Artikel hat dennoch eine bedeutende Leserschaft auf die Tatsache aufmerksam gemacht, dass der Vorwurf der offiziellen amerikanischen Täterschaft von einer sehr glaubwürdigen Persönlichkeit des öffentlichen Lebens in Deutschland aufgestellt wurde und weithin geglaubt wird.
Einen Monat nach Meachers ursprünglichem Artikel veröffentlichte der freiberufliche Journalist Paul Donovan eine Kritik der Journalisten, die Meacher angegriffen hatten. Donovan beschwerte sich darüber, dass viele Journalisten anscheinend von der Macht verführt wurden und beklagte, obwohl die »Hauptaufgabe des Journalisten die Kontrolle der Macht sein sollte … scheinen viele … größere Befriedigung am Arbeitsplatz zu haben, wenn sie die offizielle Wahrheit nachplappern.« Nach einer kurzen Auflistung, was er »die überwältigende Geschichte der Ereignisse des 11. September« nannte, schrieb Donovan:
Keine Gründe wurden für das Verhalten der Bush-Regierung an diesem Tag gegeben, niemand wurde zur Rechenschaft gezogen. Und doch konnte Bush seit der Tragödie, die der 11. September war, halten, was er seinen Hintermännern in der Waffen- und Ölindustrie versprochen hatte. Der Präsident war auch in der Lage, sich selbst als Führer in Kriegszeiten darzustellen. Das ist die wahre Geschichte, die Journalisten untersuchen und aufdecken sollten, statt lautstark Leute wie Meacher zu verunglimpfen, die zumindest den Mut hatten, aufzustehen und zu sagen, was viele schon seit geraumer Zeit vermutet haben.41
Im gleichen Zeitraum, in dem die Artikel von Meacher, Johnson und Donovan erscheinen, wurde ein neues Buch von Michael Moore veröffentlicht: Dude, Where's My Country? (deutscher Titel: Volle Deckung, Mr. Bush). Was immer man von Moore halten mag, seine Bücher ziehen eine große Leserschaft an (sein vorheriges Buch Stupid White Men (deutscher Untertitel: Eine Abrechnung mit dem Amerika unter George W. Bush) war das meistverkaufte Sachbuch der Jahre 2002 und 2003). Im ersten Kapitel seines neuen Buches mit dem Titel »George von Arabien« richtet Moore sieben Fragen an Präsident Bush. Eine von ihnen fragt nach Bushs Verhalten im Klassenzimmer am 11. September, aber die meisten beschäftigen sich mit seiner Beziehung zur saudischen Königsfamilie, der bin Laden-Familie und den Taliban. Moores eigene Vermutung, was wirklich passiert ist, bringt er offenbar mit seiner dritten Frage an Präsident Bush zum Ausdruck: »Wer griff die Vereinigten Staaten am 11. September an – ein Mann an der Dialyse aus einer Höhle in Afghanistan oder Ihre Freunde in Saudi-Arabien?«42
Moores deutlichste Aussage ist eine, die eine mögliche Antwort darauf gibt, warum das Weiße Haus die Unabhängige 9/11-Kommission behinderte und auch warum die Presse und das amerikanische Volk im Allgemeinen so passiv waren. Nach der Frage, warum Bush »nicht aufhört zu verhindern, dass die Wahrheit herauskommt«, legt Moore nahe:
Vielleicht, weil George & Co. viel mehr zu verbergen haben, als die Gründe, warum sie am Morgen des 11. September die Kampfjets nicht schnell genug losschickten. Und vielleicht haben wir, das Volk, Angst, die ganze Wahrheit zu kennen, weil sie uns auf Wege führen könnte, die wir nicht gehen wollen.
Diese letztere Vermutung – die im Einklang mit Dan Rathers Aussage steht, dass Angst die Presse davon abgehalten hat, die schwierigen Fragen zu stellen – ist wahrscheinlich richtig.
Es ist wirklich erschreckend zu denken, dass sich vielleicht unsere Regierung, ungeachtet Michael Meachers späterer Aussage, »verschworen hat, um eine solche Gräueltat zu begehen.« Es ist besonders erschreckend, die Auswirkungen einer solchen Verschwörung in Erwägung zu ziehen, wenn sie das FBI, die CIA, das Justizministerium und das Pentagon betreffen würde. Es mag klug sein, »schlafende Hunde einfach schlafen zu lassen.« Aber wenn der Verdacht richtig ist, dann schlafen diese Hunde nicht, sondern missbrauchen die offizielle Version des 11. September für ruchlose Zwecke, sowohl in unserem Land als auch im Rest der Welt. Wenn wir ein Foulspiel vermuten, aber aus Angst schweigen, können wir uns auch von jedem Anschein verabschieden, das »Land der Freien und die Heimat der Tapferen« zu sein – und sogar davon, eine Demokratie zu sein. Wir müssen einfach »den Weg gehen, den wir nicht gehen wollen.«
Dass einige amerikanische Pressevertreter dazu bereit sein könnten, wird durch eine Veröffentlichung am 11. September 2003 gezeigt, einem Online-Artikel der Philadelphia Daily News von William Bunch mit dem Titel »Why Don't We Have Answers to These 9/11 Questions?« (‚Warum haben wir keine Antworten auf diese Fragen zum 11. September?‘)43 Dieser Artikel wurde in der Einleitung mit der Frage erwähnt: »Warum wissen wir nach 730 Tagen so wenig darüber, was wirklich an diesem Tag passierte?« Um zu veranschaulichen, wie viel noch immer unbekannt ist, fragt Bunch 20 Fragen, von denen sich etwa die Hälfte mit den zentralen Fragen des vorliegenden Buches überlappen. Danach fragt er, warum »kein fügsames Mainstream-Medium« Antworten auf diese Fragen gefordert hat.
Vielleicht war sein Artikel in den Vereinigten Staaten wie Donovans Artikel im Vereinigten Königreich ein Zeichen dafür, dass die Presse bereit ist, weniger folgsam zu werden.
Die Erklärung eines Präsidentschaftskandidaten über eine »interessante Theorie«: In einem Interview im National Public Radio am 1. Dezember 2003 wurde der Präsidentschaftskandidat der Demokraten Howard Dean gefragt: »Warum glauben Sie, dass er [Bush] den [9/11-]Bericht unterdrückt?« Er antwortete: »Ich weiß es nicht. Es gibt viele Theorien darüber. Die interessanteste Theorie, die ich bisher gehört habe … ist, dass er vorzeitig von den Saudis gewarnt wurde. Nun, wer weiß, was die wirkliche Situation ist?«44
Die Aufgabe, Dean zu disziplinieren und andere davor zu warnen, solche Gedanken in der Öffentlichkeit zu äußern, übernahm Charles Krauthammer. In einem Washington Post-Artikel mit dem Titel »Delusional Dean« (Wahnhafter Dean) schrieb Krauthammer, dass Deans Aussage – dass »die interessanteste« Theorie ist … dass Bush vorzeitig vom 11. September wusste« – einen Beweis darstellt, dass Dean von einem neuen psychiatrischen Zustand heimgesucht wird, der im Land umgeht. Krauthammer bezeichnet diese Krankheit BDS oder »Bush Derangement Syndrom« (‚Bush-Geistesgestörtheitssyndrom‘), definiert als »die akute Paranoia bei sonst normalen Menschen als Reaktion auf die Politik, die Präsidentschaft, ja sogar die Existenz von George W. Bush.«
Krauthammers Artikel liefert ein Beispiel für den Standardansatz von Verteidigern der offiziellen Darstellung. Anstatt die Probleme dieser Darstellung zu behandeln, erklären sie einfach, dass alle Annahmen einer offiziellen Täterschaft so offensichtlich absurd sind und dass jeder, der solche Theorien ernst nimmt, schwerwiegende psychologische Probleme haben muss. Jedes von Kritikern behauptete Problem der offiziellen Darstellung, wie Hinweise darauf, dass die Bush-Regierung im Voraus mehr Informationen über die Angriffe hatte, als sie zugegeben hat, wird a priori zurückgewiesen. Die offizielle Darstellung wird dadurch vor Untersuchungen geschützt und andere Menschen davor gewarnt, Fragen zu stellen.
Obwohl Krauthammers Artikel offensichtlich dazu bestimmt war, geschickt humorvoll zu sein, wurde seine ernste Absicht durch den folgenden Vergleich deutlich gemacht:
Als die Abgeordnete Cynthia McKinney (Demokraten, Georgia) diese Vorstellung vor der Vorwahl im Jahr 2002 zuerst ansprach [dass Bush Vorwissen besaß], wurde sie für derart verrückt gehalten, dass es dazu beitrug, dass sie zur 'ehemaligen' Abgeordneten McKinney wurde. Heute erklärt der demokratische Spitzenkandidat für das Präsidentenamt seinen Agnostizismus zur Frage, ob der Präsident der Vereinigten Staaten in Bezug auf den 11. September von den Saudis gewarnt wurde und es bleibt unbemerkt. Das Virus breitet sich aus.45
Krauthammer schrieb dies einige Tage, nachdem Deans Aussage ausgestrahlt wurde, und schien darüber beunruhigt, dass Deans Aussage nicht den gleichen Aufschrei hervorrief wie die Kongressabgeordnete McKinney. Genauso wie sie in der Presse und vor dem Gericht der öffentlichen Meinung verurteilt wurde, zu »verrückt« zu sein, um im Amt zu bleiben, meinte Krauthammer, dass Presse und Öffentlichkeit Deans Aussage als Beweis nehmen sollten, dass auch er nicht für ein öffentliches Amt geeignet sei.
In Anspielung auf Cynthia McKinneys Niederlage im Jahr 2002 setzte Krauthammer die gängige Meinung darüber voraus, welche ‚Lehre‘ zu ziehen ist – nämlich, dass es politischer Selbstmord für jeden Kandidaten ist, selbst für einen Demokraten, die Frage zu stellen, ob der Präsident Vorwissen zu den Anschlägen des 11. September hatte. Eine Untersuchung der Umstände von McKinneys Niederlage legt jedoch nahe, dass dies nicht unbedingt der Fall sein muss. Es gibt mindestens drei Faktoren, die berücksichtigt werden müssen.
Erstens wurden McKinneys Fragen zum 11. September von der Presse mit ihren Aussagen über die nachfolgenden Kriegen verbunden, sodass es für die meisten Menschen den Anschein hatte, sie hätte den Präsidenten nicht nur beschuldigt, spezifisches Vorwissen zu den Anschlägen gehabt zu haben, sondern dass er sie aus einem ganz bestimmten Grund ermöglicht hatte. Ein Bericht im Orlando Sentinel behauptete zum Beispiel, McKinney hätte versichert, »dass Präsident George W. Bush im Voraus von den Anschlägen des 11. September wusste und nichts tat, um sie zu verhindern. Warum? Damit alle seine Kumpane bei der anschließenden militärische Aufrüstung reich werden konnten.«46 Ein New York Times-Bericht schrieb: »Ms. McKinney legt nahe, dass Präsident Bush von den Anschlägen des 11. September gewusst hätte, aber nichts dagegen tat, damit seine Anhänger in einem Krieg Geld verdienen könnten.«47 Wie Greg Palast und andere jedoch gezeigt haben, ergibt sich die Vorstellung, dass McKinney Bush des Zulassens der Anschläge aus diesem Grund angeklagt hätte, aus einer unzulässigen Verbindung einiger ihrer Aussagen. Palast liefert gute Gründe dafür zu glauben, dass eine ähnliche Verschmelzung hinter dem Glauben steckt, dass McKinney der Bush-Regierung vorwarf, im Voraus spezifisches Wissen über die Anschläge gehabt zu haben.48 Palast spricht sich dafür aus, dass McKinneys tatsächliche Haltung seiner eigenen ähnlich war, laut der es mehrere Warnungen gab, sodass die Tatsache, dass die Angriffe nicht rechtzeitig vorhergesehen wurden, um sie zu verhindern, auf ein massives Versagen der Geheimdienste hindeutet, wofür die Politik des Präsidenten zumindest teilweise verantwortlich war.49 In jedem Fall wurde McKinney, was immer ihre tatsächliche Absicht war, nicht der Öffentlichkeit als jemand vorgestellt, der lediglich daraufhin wies, dass es eine Untersuchung geben sollte, ob die Bush-Regierung Vorwissen hatte.
Es gibt darüber hinaus noch einen zweiten Grund, warum McKinneys Wahlniederlage nicht notwendigerweise bedeutet, dass solch ein Hinweis politischer Selbstmord sogar für Demokraten sei. In Georgia dürfen die Wähler in einer Vorwahl »hinüberwechseln«, sodass zum Beispiel registrierte Republikaner sich aussuchen können, ihre Stimme bei den Vorwahlen der Demokraten abzugeben. Gemäß McKinneys Darstellung des Geschehens wurde eine weitere schwarze Kandidatin, deren Positionen näher an denen der Republikanischen Partei war, von den Republikanern aufgefordert, in den Vorwahlen gegen McKinney anzutreten, nachdem die »Republikaner die Kassen ihrer Kampagne gefüllt hatten, wechselten anschließend 48.000 von ihnen hinüber und stimmten für sie.«50 Obwohl es durch Georgias Wahlgesetze unmöglich ist zu wissen, wie viele solcher Wechselwähler es tatsächlich gab, wird McKinneys allgemeine Behauptung von John Sugg, Chefredakteur von Atlantas Wochenzeitung, wie folgt unterstützt: »Republikaner wechselten in Scharen hinüber, um bei den demokratischen Vorwahlen mitzuwählen.«51
Eine andere wichtige Tatsache betrifft eine von der Atlanta Journal-Constitution in Auftrag gegebene Online-Umfrage vom 17. April. Die Fragestellung basierte auf der Annahme, dass McKinney dem Präsidenten vorwarf, Vorwissen der Anschläge hatte. Die Online-Leser wurden gefragt: »Sind Sie zufrieden mit der Aussage, die Bush-Regierung hatte keine Vorwarnung zu den Anschlägen des 11. September?« Angesichts der Tatsache, dass die AJC eine der Zeitungen war, die den Angriff auf McKinney anführte, war der Zweck der Umfrage offensichtlich zu zeigen, dass McKinneys Vorwürfe wenig oder gar keine Unterstützung in der Bevölkerung besaßen. Aber laut NewsMax.com – einer Website, die AJCs Feindseligkeit gegenüber McKinney teilte – antworteten nur 52 Prozent bejahend. Zwei Prozent der Befragten wählten die Antwort »Ich bin mir nicht sicher. Der Kongress sollte dies untersuchen«, während die andere mögliche Antwort »Nein, ich glaube, Spitzenkräfte wussten, dass sie kommen würden« von 46 Prozent der Antwortenden gewählt wurde. Daher erhielt der Bericht auch den Titel: »Umfrage-Schock: Fast die Hälfte unterstützen McKinneys 9/11-Verschwörungstheorie« Der Verfasser dieses Berichts, der kurz nach 15.30 Uhr veröffentlicht wurde, fügte hinzu: »Obwohl bis zum Nachmittag über 23.000 Atlanta Journal-Constitution-Leser geantwortet hatte, wurde die Umfrage auf mysteriöse Weise von der Internetseite der Zeitung genommen.«52
Solche Umfragen sind selbstverständlich nicht wissenschaftlich. Aber diese Umfrage wirft eine interessante Frage auf, nämlich wie die Ergebnisse einer wissenschaftlichen Umfrage in den Vereinigten Staaten ausfallen würden. Keine derartige Umfrage wurde in Auftrag gegeben – vielleicht auf der Grundlage des alten Ratschlags: »Wenn Sie die Antwort nicht wissen wollen, stellen Sie die Frage nicht.« Aber vielleicht würden wir, wenn eine solche Umfrage durchgeführt würde, feststellen, dass die öffentliche Meinung in Amerika über die Verbindung der Bush-Regierung zum 11. September näher an der öffentlichen Meinung in Deutschland ist als angenommen. Es ist zumindest eine interessante Frage, die überprüft werden könnte.
In jedem Fall lassen diese drei Tatsachen – dass Cynthia McKinneys »Anklage« verzerrt wurde, dass sie möglicherweise ohne die Wechselwähler die Vorwahlen nicht verloren hätte und dass ein bemerkenswerter Prozentsatz der Menschen in der Region Atlanta offenbar schon im April 2002 davon ausgingen: »Beamte wussten, dass es passieren würde« – vermuten, dass McKinneys Niederlage nicht unbedingt beweist, dass es politischer Selbstmord für jeden Politiker wäre, darauf hinzuweisen, dass die Bush-Regierung Vorwissen zu den Anschlägen hatte.
Wie dem auch sein mag: Die Tatsache, dass die Frage solchen Vorwissens von einem Präsidentschaftskandidaten erhoben wurde und dann durch einen prominenten Journalisten veröffentlicht wurde, liefert zusätzliche Hinweise, dass eine Untersuchung genau dieser Frage notwendig ist.
Ellen Marianis Strafanzeige: Ein anderes Ereignis der letzten Zeit liefert einen weiteren Hinweis – ein Rechtsstreit mit einer Behauptung, die der von Cynthia McKinneys angeblich aufgestellten nicht ganz unähnlich ist.53 Am 26. November 2003 hielt der Rechtsanwalt Philip J. Berg eine Pressekonferenz in Philadelphia ab, um zu verkünden, dass Ellen Mariani, deren Mann mit United Airlines-Flug 175 geflogen war, eine Bundesgerichtsstrafanzeige gegen Präsident Bush und mehrere Mitglieder seines Kabinetts eingereicht hatte, und zwar unter dem RICO-Gesetz (‚Racketeer Influenced and Corrupt Organizations Act‘ - ‚Gesetz zur Bekämpfung und Verurteilung von kriminellen Aktivitäten von Mobstern und kriminellen Vereinigungen des Organisierten Verbrechens‘).54 Diese Strafanzeige behauptet, dass George W. Bush (GWB) und andere Spitzenkräfte – darunter John Ashcroft, Dick Cheney, Condoleezza Rice, Donald Rumsfeld und George Tenet – »der ‚Untätigkeit und Verhinderung‘ des Mordes am Ehemann der Klägerin, Louis Neil Mariani, aus finanziellen und politischen Gründen« schuldig sind und dass sie »in Folge der genannten strafbaren Handlungen und Unterlassungen ‚die Justiz behindert‘ haben.«55 In der Ausarbeitung dieser Gesamtanklage schreibt die Strafanzeige unter anderem:
Der Beklagte GWB ‚hatte eine Pflicht‘, nicht nur dem Kläger, sondern auch dem amerikanische Volk gegenüber, es zu schützen und gegen vermeidbare Angriffe zu verteidigen, die auf erheblichen Geheimdiensterkenntnissen basieren, die dem Beklagter GWB vor ‚9/11‘ bekannt waren, die zum Tod des Ehemanns der Klägerin und Tausender weiterer unschuldiger Opfer an ‚9/11‘ führte. …
Der Beklagte GWB war nicht offen und ehrlich im Hinblick auf das Vorwissen seiner Regierung zum Umfang der ‚9/11‘-Anschläge, und die Klägerin versucht, den Beklagte GWB zu zwingen, zu begründen, warum ihr Mann Louis Neil Mariani am 11. September starb. … Die zwingende Beweislage, die in diesem Fall vorgelegt werden wird, wird durch Aufdeckung, Vorladung unter Strafandrohung durch das Gericht und Zeugenaussagen in der Verhandlung automatisch zu einer unbestrittenen Tatsache führen: dass der Beklagte GWB versagte, zu handeln und »den 11. September« zu verhinderten, im Wissen, dass die Angriffe unsere Nation dazu bringen würden, sich am ‚International War on Terror (IWOT)‘ zu beteiligen, von dem die Beklagten sowohl finanziell als auch aus politischen Gründen profitieren würden. …
Die Klägerin glaubt, dass der Beklagte GWB et al. die Anschläge stattfinden ließen, um öffentliche Wut und Aufschrei zu erzwingen, um unsere Nation und unsere Soldaten und Soldatinnen aus persönlicher Bereicherung und persönlichen Plänen in einen vermeidbaren ‚IWOT‘ zu treiben. …
Der Special-Agent Robert Wright schrieb am 9. Juni 2001 ein Memo und warnte seine Vorgesetzten, die Beklagten Justizministerium/FBI, vor möglichen von Terroristen entführten Flugzeugen in den Vereinigten Staaten, und zwei (2) Monate später, gab die Beklagte Condoleezza Rice, die Nationale Sicherheitsberaterin des Beklagten GWB, zu, dass sie am 6. August 2001 … dem Beklagten GWB auf seiner Ranch in Texas ein schriftliches Memo vorlegte, das davor warnte, dass „OBL“ versuchen könnten, amerikanische Flugzeuge zu entführen. Die Klägerin … [hat] ein ‚Recht zu wissen‘, „warum nicht aufgrund dieser dem Beklagte GWB zur Verfügung gestellten Berichte gehandelt wurde, um die tödlichsten Angriffe gegen unsere Nation zu verhindern seit denen von Pearl Harbor, die uns in den Zweiten Weltkrieg führten, wie uns ‚9/11 ‘nun in den nie endenden ‚IWOT‘ führt. Angesichts der Berge an Beweisen und der laufenden ‚Geheimhaltung‘ des Beklagten GWB und seiner mangelnden Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit der ‚9/11-Kommission‘ bringt die Klägerin diese RICO-Gesetz-Zivilklage vor Gericht, um für sich und Ehemann Louis Neil Mariani Gerechtigkeit zu erlangen und um gegenüber der amerikanischen Öffentlichkeit die ‚Wahrheit“ aufzudecken, wie die Angeklagten den großen Verrat gegenüber jedem freiheitsliebenden Amerikaner begingen, die sich aus den Verbrechen vor, während und nach ‚9/11‘ ergaben.56
Neben Kopien dieser Strafanzeige verteilte Berg auch Kopien eines handgeschriebenen Briefs von Ellen Mariani an den Präsidenten. In diesem Brief schreibt sie:
Stoppen Sie die Blockade der Freigabe bestimmter Beweismittel und Dokumente, die von der 9/11-Untersuchungskommission entdeckt wurden, insoweit Sie nichts zu verbergen haben, um zu beweisen, dass Sie nicht versagt haben, zu handeln und die Anschläge des 11. Septembers zu verhindern. Ihre Begründung für die Nichtfreigabe dieses Materials ist, dass es sich um eine Frage der ‚nationalen Sicherheit‘ handelt. … Aber … es ist Ihre persönliche Glaubwürdigkeit/Sicherheit, um die Sie besorgt sind. … 57
Wenn diese Klage zugelassen wird, würde dies bedeuten, dass Mariani und Berg die Macht zur Zwangsvorladung hätten und es könnte erste Antworten auf die beunruhigenden Fragen geben, die zum 11. September aufgeworfen wurden.
Diese Klage lässt zusammen mit dem Dean-Krauthammer-Austausch und einigen aktuellen Veröffentlichungen vermuten, dass solche Fragen mit zunehmender Häufigkeit und Intensität gestellt werden. Immer mehr Bürger glauben, dass die offizielle Darstellung eine Lüge ist. Die einzige mit einer demokratischen Staatsform vereinbare Lösung ist eine Untersuchung, die endlich eine glaubwürdige Darstellung dessen liefert, was am 11. September geschah. Dass dies eventuell eine neue Untersuchung braucht, wurde durch die jüngsten Entwicklungen in Bezug auf die Unabhängige 9/11-Kommission nahegelegt.
Die Unabhängige 9/11-Kommission: Trotz aller Probleme, die diese Kommission behinderten, hatten viele Menschen, darunter die Leiter des 'Lenkungsausschuss der Familien', lange eine gewisse Hoffnung, dass es endlich Antworten auf zumindest einige der vielen unbeantworteten Fragen geben würde. Aber diese Hoffnung wurde durch weitere Entwicklungen geschwächt. Erstens hat die zuvor diskutierte Vereinbarung der Kommission, eine Vereinbarung mit dem Weißen Haus zu erarbeiten, statt ihre Macht zur Vorladung zu nutzen, den Vorwurf weiter gestützt, sodass sie »die 9/11-Vertuschungskommission« genannt werden sollte.58 Zweitens verlor die Kommission mit Max Cleland ihr entschieden kritischstes Mitglied.59 Drittens wurde die Frage der Interessenkonflikte erneut Mitte Januar durch die Enthüllung in einem New York Times-Bericht aufgeworfen, der schrieb, dass die Kommission zwei ihrer eigenen Mitglieder interviewt hatte, nämlich Philip Zelikow, ihren Direktor, und Jamie Gorelick (ein hochrangiges Mitglied des Justizministeriums während der Clinton-Regierung). Diese Enthüllung warf diese Frage besonders intensiv auf, weil Zelikow und Gorelick »die einzigen beiden Spitzenkräfte der Kommission sind, die einen breiten Zugang zu hoch geheimen Dokumenten des Weißen Hauses haben.« Als Kristen Breitweiser zur Nachricht befragt wurde, dass Zelikow interviewt wurde, sagte sie: »Er hat einen riesigen Interessenkonflikt« und fügte hinzu: »Das ist, worüber wir vom ersten Tag an besorgt waren.« Sie erläuterte diese Besorgnis dadurch, dass sie befürchtete, dass der Kommissionsbericht »eine totale Schönfärberei werden wird.«60
Ein vierter Schlag für die Hoffnung, dass der Kommissionsbericht zumindest einige der Fragen beantwortet wird, wird die Verweigerung des Ersuchens der Kommission nach zusätzlicher Zeit sein. Wie wir bereits gesehen haben, waren Mitglieder der Kommission lange Zeit besorgt, dass es ihnen die durch das Weiße Haus geschaffenen Hindernisse unmöglich machen würde, ihre Arbeit bis Ende Mai abzuschließen. Ende Januar hat die Kommission förmlich angefragt, ob sie ein paar Monate mehr bekommen würde, damit ihre Arbeit – in Timothy Roemers Worten – »glaubwürdig und gründlich« werden könne. Die erste Reaktion auf dieses Ersuchen war aber negativ. Die Kommissionsmitglieder sollten »in der Lage sein, die Frist einzuhalten«, so ein Sprecher der Regierung, denn »die Regierung hatte ihnen einen beispiellosen Umfang an Zusammenarbeit geboten.«61
In einem Artikel über diese Antwort (mit dem Titel ‚Was versteckt Bush vor der 9/11-Kommission?‘) schrieb Joe Conason, dass »Mr. Bush von Anfang an die Kommission und ihre wichtige Arbeit mit Verachtung behandelte« und kontinuierlich daran arbeitete, »die Untersuchung des wichtigsten Ereignisses seiner Präsidentschaft zu schwächen, zu beschränken und zu zensieren.« Mit Bezugnahme auf einen Bericht in Newsweek, dass die Regierung der Kommission die Wahl ließ, die Mai-Frist einzuhalten oder die Veröffentlichung des Berichts bis Dezember herauszuschieben – was selbstverständlich nach den Wahlen im November wäre – kommentierte Conason: »Mr. Bush will nicht, dass seine Wiederwahl von einer eventuell kenntnisreichen Beurteilung der Katastrophe abhängt, die die Nation und seine Präsidentschaft umformte.«62
Dennoch, trotz der anhaltenden Blockadepolitik, plante die Kommission laut den jüngsten Berichten nicht, Präsident Bush, Vizepräsident Cheney oder andere Spitzenkräfte vorzuladen und von ihnen Aussagen unter Eid zu verlangen.63
Diese jüngsten Entwicklungen waren offenbar der letzte Strohhalm für zumindest einige Mitglieder des 'Lenkungsausschusses der Familien'. Laut einem Bericht der Washington Post »hat der Umgang der Kommission mit der Frist eine Gruppe von Angehörigen der Opfer des 11. September verärgert, die argumentieren, dass das Gremium nicht aggressiv genug mehr Zeit verlangt und wichtige Dokumente und Zeugenaussagen von der Bush-Regierung einfordert.« Der Reporter zitierte daraufhin Kristen Breitweiser mit den Worten: »Wir haben genug. … Es ist wie ein Schlag ins Gesicht der Angehörigen der Opfer. Sie entehren die Toten mit ihrem unverantwortlichen Verhalten.«64 In ihrer Erklärung scheint implizit die Schlussfolgerung zu stecken, dass, falls es in den wenigen verbleibenden Monaten keine radikale Änderung der Haltung und Taktik der Unabhängigen 9/11-Kommission gibt, eine neue Untersuchung erforderlich sein wird, wenn es überhaupt eine Hoffnung geben soll, die Wahrheit aufzudecken.
Ein 9 / 11-Wahrheitskandidat
Ein jüngstes Ereignis, das die Notwendigkeit für eine vollständige Untersuchung untermauert, ist das Hervortreten eines Präsidentschaftskandidaten mit diesem Thema. Dieser Kandidat, der Republikaner John Buchanan, sagte in einer Wahlkampfrede:
Ich stehe hier als ein 9/11-Wahrheitskandidat. Einige könnten mich damit als Ein-Themen-Kandidat abtun und dies stimmt auch im engeren Sinne. Aber wenn man bedenkt, dass der 11. September uns in den finanziellen Ruin, einen endlosen Krieg und ein verfassungsrechtliches Zwielicht geführt hat, ist mein Thema die Mutter aller Themen unserer Zeit.
Buchanan sagte, dass »wir alle über den 11. September belogen wurden«, und zählte viele der im vorliegenden Buch berichteten Fakten auf. Er schloss seine Rede mit der Aufforderung an seine Zuhörer, Ellen Mariani als »eine der Helden dieser Sache« zu unterstützen und Nafeez Ahmeds Buch The War on Freedom und Paul Thompson 9/11-Timeline zu lesen.65
Buchanan ist gegenüber den Massenmedien sehr kritisch, weil sie »die große Anzahl an Lügen und Widersprüchen zum 11. September« nicht in Frage stellen und der Öffentlichkeit nicht einmal mitteilen, dass »noch offene Fragen existieren.« Die gleiche Presse wird wohl nur ungern der Öffentlichkeit von der Existenz »eines 9/11-Wahrheitskandidaten« berichten. Aber genau dessen Existenz kombiniert mit der Tatsache, dass Millionen von Amerikanern über ihn aus anderen Quellen erfahren werden, bietet noch einen weiteren Grund für die Schlussfolgerung, dass eine vollständige Untersuchung notwendig ist, die die Beweise der amtlichen Täterschaft untersucht.
© David Ray Griffin
Oliver Bommer (deutsche Übersetzung)
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